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Teilhabe 2020

Dr. Fritz Baur - Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der überörtlichen Träger der Sozialhilfe

Keine grundlegende Umgestaltung

"In den kommenden Jahren werden sich die Kostensätze strukturell nicht mehr erhöhen, sie werden sich im Rahmen der Tarifsteigerungen halten.

Bei den Personengruppen, die eine Werkstattaufnahme wollen, erkennen wir z.Zt. eine zunehmende Nachfrage aus dem Personenkreis der chronisch psychisch erkrankten und suchterkrankten Menschen, also Erwachsene, die bereits ins Berufsleben eingestiegen waren. Dieser Trend wird sich wohl fortsetzen. Einen weiteren Anstieg der Nachfrage gibt es seitens der Menschen mit Lernbehinderungen, also Personen ohne Hauptschulabschluss, die aber u.E. nach nicht wesentlich behindert sind. Für sie suchen wir z.Zt nach Möglichkeiten einer Beschäftigung außerhalb der WfbM, also mit besonderer Unterstützung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt bzw. in speziellen Integrationsabteilungen, möglicherweise auch in Integrationsfirmen. Generell könnte es künftig eine Flexibilisierung der aufgewendeten Mittel geben, die damit auch in anderen Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten eingesetzt werden könnten.

Bezüglich des Zugangs zum ersten Arbeitsmarkt sehe ich keine durchgängige Verbesserung der Situation. Die Zugänge für diesen Personenkreis werden weiterhin abhängig sein von der Lage auf dem Arbeitsmarkt. Zu Zeiten schlechter Konjunktur und schlechter Arbeitsmarktlage sind auch subventionierte Arbeitsplätze in Firmen nur schwer unterzubringen.
Das Persönliche Budget scheint für die Werkstätten nicht sonderlich passend zu sein,. Jedenfalls sagt das im Moment die Nachfragesituation. Ich sehe auch wenig Aussicht, dass sich das in Zukunft ändert.

Das Werkstättensystem insgesamt wird auch innerhalb der nächsten 10-12 Jahre kaum grundlegend umgestaltet. Der Personenkreis, für den die Werkstätten geschaffen sind, gilt, benötigt eine fest gefügte Struktur, und wir brauchen auch die besonderen Regularien der Werkstättenverordnung und die entsprechenden Kostensätze. Um die Werkstatt herum werden die Strukturen allerdings freier sein.

Die Trägerlandschaft wird sich möglicherweise jedoch verändern: Werkstätten treten miteinander in Konkurrenz und sichern sich ihre Markanteile, z.B. durch eine Spezialisierung auf spezielle Personengruppen.

Im Bereich der Produktionen und Dienstleistungen geht der Trend z.Zt. in Richtung eines verstärkten Angebots im Dienstleistungsbereich, etwa im Garten- und Landschaftsbau, im Gastronomiebereich oder in den Lebensmittelmärkten. Die Akzeptanz solcher Dienstleistungen, die von Menschen mit Behinderungen erbracht werden, steigt beim Kunden, und auch dies ist eine Form der Integration.

Wichtig erscheint mir, dass der Zugang zur Werkstatt flexibler gestaltet wird und dass die Einbahnstraße von der Sonderschule zur Werkstatt ihren Automatismus verliert. Dazu bedarf es künftig einer verbesserten Information und Beratungen und mehr Erprobungsmöglichkeiten in den Anschlussklassen und Werkstufen der Sonderschule.

Bzgl. der EU-Gesetzgebung ist denkbar, dass es künftig auch für Maßnahmen im Bereich der beruflichen Rehabilitation europaweite Ausschreibungen gibt, was allerdings unser arbeitsteiliges System Staat - Wohlfahrtspflege empfindlich stören würde. Auch deutsche Anbieter könnten sich dann an europäischen Ausschreibungen beteiligen, wie dies bereits im Bereich der Altenpflege oder Behindertenhilfe geschieht."

(Download als PDF)

            
Letzte Aktualisierung der Webseite am 03.02.2012
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