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Prof. Klaus Zink über die aktuellen Themen der beruflichen Rehabilitation
Nachgefragt: Was macht „Bamberg bewegt“?
53° Nord-Service: Nützliche Links zur beruflichen Teilhabe
Rettungsaktion KLARER KURS
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Wer ist eigentlich 53° Nord?
Liebe Leserinnen und Leser,
das gängige Klischee, das leider auch von Kostenträger- und Politikerseite gern genutzt wird, stellt eine Rangordnung unter den verschiedenen Arten von beruflicher Teilhabe her: Ganz oben rangiert dabei eine Tätigkeit im ersten Arbeitsmarkt, ganz unten die Tätigkeit in einer Werkstatt für behinderte Menschen. Prof. Dr. Zink von der TU Kaiserslautern attackierte die Sichtweise auf einem Fachkongress in Hamburg ganz entschieden und stellte fest: Diese Diskussion geht in eine falsche Richtung und suggeriert eine Unterscheidung in „gut“ (allgemeiner Arbeitsmarkt) und „schlecht“ (WfbM). Es gibt aber, so Prof. Zink, nur ein „sowohl... als auch“. Teilhabe muss für unterschiedlichste Zielgruppen gestaltet werden. Die richtige Fragestellung lautet: Unter welchen Bedingungen ist für welchen Personenkreis welche Form der beruflichen Teilhabe am besten geeignet? Was Prof. Zink in seinem Beitrag sonst noch sagte, finden Sie in dem folgenden Beitrag.

Die aktuellen Themen der beruflichen Rehabilitation aus der Sicht von Prof. Klaus Zink
Werkstätten sind teuer und wir können sie uns bald nicht mehr leisten. Ist das so? Prof. Zink ging in seinem Referat in Hamburg dieser Frage nach und zitierte aus einer Untersuchung von Prof. Uli Arnold aus dem Jahre 2008. Danach war die Nettofinanzierung der Werkstätten, also die Differenz zwischen Mittelzuflüssen aus öffentlichen Kassen und Mittelabflüssen in öffentliche Kassen, zwischen 2002 und 2006 gesunken. Anders formuliert: Die Zahlungsflüsse durch Löhne und Gehälter sind stärker angestiegen als Leistungen an die WfbM aus öffentlichen Kassen. Von den Mittelzuflüssen fließen ca. 44 % wieder in öffentliche Kassen zurück, die Finanzierungsquote aus öffentlichen Mitteln beträgt damit lediglich 56 % der ausgewiesenen Summe.
Aber nicht nur hier rückte Prof. Zink die Verhältnisse zurecht. Er kritisierte auch, dass die Werkstätten nahezu ausschließlich unter dem Aspekt des Übergangs auf den allgemeinen Arbeitsmarkt beurteilt werden, obwohl die Vermittlungsbedingungen derzeit wenig optimal sind und diese Frage ohnehin nur einen Teil des Werkstattklientels berührt. Seine Sorge: Kernzielgruppen der WfbM bleiben bei dieser Betrachtung „außen vor“. Er nennt auch gleich einige Fragestellungen, die die Werkstätten derzeit stärker beschäftigen als der Übergang in den Arbeitsmarkt:
- Angemessene Beschäftigung und Übergänge für älter werdende Beschäftigte
- Angemessene Beschäftigung für die wachsende Zahl schwerst-mehrfach behinderter Menschen
- Umgang mit wegbrechenden Aufträgen
- Neuausrichtung der beruflichen Bildung (z.B. vor dem Hintergrund der Ambulantisierung)
Aber auch den Werkstätten schreibt er eine Reihe von Aufgaben ins Stammbuch, denen sie sich künftig mit mehr Nachdruck widmen müssen. Sie müssen seiner Ansicht nach folgende Entwicklungen energischer vorantreiben:
- Sie sollten ihre Hilfeplanung stärker an den Bedürfnissen der Person orientieren.
- Sei sollten stärker „ambulantisieren“ und „virtualisieren“, etwa durch die Einführung eines ambulanten Berufsbildungsbereichs und arbeitsmarktnahe Qualifizierung sowie durch die Abkehr von der „Systemlogik“ hin zur „Subjektlogik“.
- Sie sollten ihre Leistungen besser aufschlüsseln und modularisieren, sie vielfältiger gestalten und verpreislichen.
- Sie sollten ihre Bildungs- und Qualifizierungskonzepte überarbeiten, sie mit den Regelstrukturen vernetzen, die Lerninhalte berufsfeldübergreifend organisieren und sie in den Betrieb integrieren. Außerdem sollten sie sie stärker am internen und externen Qualifikationsbedarf ausrichten.
- Sie sollten sich besser als bisher kommunal vernetzen, beispielsweise mit Schulen, Integrationsfachdiensten oder der Verwaltung kooperieren und Anbieter-Verbünde bilden.
- Sie sollten ihre Angebote stärker auf den Sozialraum ausrichten und in die Sozialplanung der Gemeinde einbinden, den kommunalen Mehrwert der WfbM herausstellen und die kommunale Infrastruktur durch die Werkstatt nutzen.
- Sie sollten ihre Qualität sichtbar machen, indem sie Werkstattleistung transparent werden lassen, Kennzahlen für ihre Reha-Leistung offenlegen und ihre Sozialbilanz präsentieren.
- Sie sollten die Übergänge auf den allgemeinen Arbeitsmarkt verbessern, indem sie systematisch die Kenntnisse, Kompetenzen und Potenziale der Beschäftigten analysieren und die vorhandenen Instrumente, etwa das Budget für Arbeit, stärker nutzen.
- Und schließlich sollten sich die Werkstätten öffnen, indem sie die Verhältnisse umkehren. Eine Inklusion von Menschen mit und ohne Benachteiligungen in die Arbeitszusammenhänge der WfbM brächte die Werkstatt in die „Mitte der Gesellschaft“. Die Werkstätten haben die Kompetenz zur Anpassung der Arbeit an den Menschen und sie können damit eine Plattform für unterschiedlichste Formen angepasster Arbeit werden.
Nachgefragt

Was macht eigentlich „Bamberg bewegt?“
In der Ausgabe 2/2008 berichtete KLARER KURS über den sozialraumorientierten Ansatz der Bamberger Lebenshilfe: „Integra Mensch“ vermittelte damals als virtuelle Werkstatt Menschen mit überwiegend geistiger Behinderung erfolgreich in gemeindenahe Betriebe des ersten Arbeitsmarkts, 50 an der Zahl zwischen 2004 und 2008. Und was tut sich heute in Bamberg?
„Die Wirtschaftskrise“, sagt Kuno Eichner, Werkstattleiter Integra Mensch, „haben wir glücklicherweise gar nicht gespürt. Seit letztem Sommer haben wir 30 weitere Menschen mit Behinderung vermitteln können und die Kampagne geht weiter!“
Gemeinsam mit Access Erlangen beteiligte sich Integra Mensch an der Ausschreibung Unterstützte Beschäftigung und bekam aufgrund des sozialraumorientierten Netzwerks den Zuschlag. Inzwischen nehmen fünf Personen an der Maßnahme teil. Noch, so merkt Kuno Eichner an, sei es aber für allgemeine Aussagen zu früh. „Wie tragfähig unser Netzwerk für sozialversicherungspflichtige Übergänge sein kann, wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen!“
Im August 2008, und das ist ein weiterer Meilenstein, hat Integra Mensch ein Haus in der Bamberger Innenstadt erworben, gleich neben der staatlichen Berufsschule. „Die Idee war, dass unsere Teilnehmer der beruflichen Bildung ihre Projekte nicht in einer klassischen Werkstatt durchführen, sondern in einem ‚Raum‘, in dem auch Schüler ohne Behinderung lernen. Die beiden Häuser stehen nebeneinander und die Schüler beider Einrichtungen teilen das gemeinsame Mittagessen im Jugendkulturtreff. Und wir koppeln Unterrichtsinhalte: Unsere Mitarbeiter werden künftig verstärkt im Regelunterricht der staatlichen Berufsschule dabei sein und umgekehrt. Die praktischen Inhalte unserer beruflichen Ausbildung ‚HelferInnen im Kindergarten‘ finden beispielsweise gemeinsam mit denen der angehenden ErzieherInnen in der örtlichen Fachakademie für Sozialpädagogik statt.“ Mit dem Haus in der Innenstadt sei es jetzt leichter, bürgerschaftliches Engagement zu aktivieren, es sei eine Anlaufstelle für Bürger, für Jugendliche, die sozusagen nebenbei auch mit unserer behinderten Mitarbeitern ins Gespräch kämen. „Da wächst etwas“, freut sich der engagierte Werkstattleiter.
Und Simone Böhnlein? Unsere Leser erinnern sich, sie war die erste, die Integra Mensch auf einen gemeindenahen Arbeitsplatz vermittelte und das, weil sie besonders hartnäckig war. Damals befand sie: Urlaub? Brauch‘ ich nicht! „Gerade heute“, sagt Kuno Eichner, „ist sie wieder vorbeigekommen. Und zwar, weil sie Urlaub nehmen will! Oder besser gesagt, ihre Integrationsbegleiterin hat ihr Urlaub ‚verordnet‘! Sie hat immer noch großen Spaß an der Pflege und wird jetzt wohl ein Praktikum in einem Krankenhaus machen.“ Fazit: Es entwickelt sich prima.
Und der neueste Clou: Zurzeit arbeitet Integra Mensch an der Übertragbarkeit des Konzepts der Sozialraumorientierung und baut deshalb gemeinsam mit weiteren sozialrauminteressierten Werkstätten ein bundesweites Netzwerk aus. Man müsse jetzt gemeinsame Standards entwickeln. „Denn“, so meint Kuno Eichner zum Schluss, „die Nachfrage anderer Einrichtungen an ‚Bamberg bewegt‘ ist weiterhin sehr hoch!“
Übrigens: Das Buch zum Thema ist in unserer Verlagsreihe „Im Gespräch“ erschienen:
Dieter Basener / Silke Häußler
Bamberg bewegt
Integration in den Arbeitsmarkt: Eine Region wird aktiv
160 Seiten, 19,80 €
53° NORD-Service

Links zur beruflichen Teilhabe
In dieser Rubrik stellen wir für Sie Links zu Webseiten unterschiedlicher Organisationen zusammen, unter denen Sie nützliche und gut aufbereitete Informationen und Materialien für Ihre tägliche Arbeit finden. Auch wenn Sie keine konkrete Frage haben, klicken Sie vielleicht trotzdem vorbei: Sie finden mit Sicherheit interessante Anregungen!
www.bar-frankfurt.de
Die Seite der Bundesarbeitsgemeinschaft für Rehabilitation, des Dachverbandes der Versicherungs- und Leistungsträger, bietet unter dem Stichwort Publikationen unter anderem Arbeitshilfen für unterschiedliche Personengruppen mit Behinderung (die bekannte Schriftenreihe der BAR). Sie ist auch als Download erhältlich. Der Stichpunkt Arbeitsmaterialien und Verzeichnisse enthält u.a. die ICF-Praxisleitfäden 1 und 2.
www.integrationsaemter.de
Auf der Website der BAG der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen verfügt unter dem Stichpunkt Infothek unter anderem über ein umfangreiches Fachlexikon „Behinderung und Beruf“. Hinzu kommen Arbeitshilfen für die Schwerbehindertenvertretung und das betriebliche Integrationsteam, Gesetzestexte aus dem Schwerbehindertenrecht, eine Übersicht über bundesweite Publikationen , Programme der Integrationsämter zur Fortbildung sowie aktuelle Daten und Fakten zur Beschäftigung schwerbehinderter Menschen. Eine weitere Rubrik: Die Arbeit der Integrationsfachdienste
www.bibb.de
Das Bundesinistitut für Berufsbildung blättert auf einer „Wissenslandkarte“ seinen gesamten Themenkatalog auf, zu dem auch die Stichworte „Behinderte“ und „Benachteiligte“ gehören. Letztgenanntes Stichwort führt u.a. zur Unterseite „Good Practice Center“ mit einer Datenbank zur Förderung von Benachteiligten in der Berufsbildung. Hier finden sich Lösungsansätze, Qualifizierungsbausteine, Materialien und Arbeitshilfen sowie Lernmodule. Auch ein Newsletter kann abonniert werden.
www.embrace-hotels.de
11 integrative Hotels aus der gesamten Bundesrepublick – zwischen Schleswig-Holstein und dem Bayerischen Wald – vermarkten sich über diese Website. Die gut gemachte Selbstdarstellung erläutert kurz die Besonderheit, stellt die Mitgliedhotels vor und nennt die Kontaktdaten. Auch hier lässt sich ein Newsletter abonnieren.
Neues von der Rettungsaktion KLARER KURS

Noch ist KLARER KURS nicht gerettet, auch wenn täglich bei uns Abo-Bestellungen, meist sogar Mehrfach-Bestellungen, eingehen. Mutmachende Anmerkungen und Kommentare kommen aus allen Regionen der Republik – was uns sehr freut. Beispielsweise von Jens Geiger, Bereichsleitung Soziales, Allgäuer Werkstätten GmbH: „Volle Kraft voraus - wir haben auf 10 Abos erhöht...!“
Und auch die Zahl der Menschen, die sich auf unserer offiziellen Unterstützer-Seite einträgt, wächst beständig. Schauen Sie doch einmal nach, wer sich für das Überleben unseres Magazins einsetzt: Unterstützerseite.
Unterstützen auch Sie uns, abonnieren Sie das Magazin zur beruflichen Teilhabe von Menschen mit Behinderung und tragen Sie sich ein in die Liste der Unterstützer.
Sie brauchen mehr Infos? Einen eigenen Eindruck von der neuesten Ausgabe KLARER KURS können Sie sich in der Online-Leseausgabe verschaffen.
Neu im Medienvertrieb

Georg Theunissen:
Empowerment und Inklusion behinderter Menschen
Eine Einführung in Heilpädagogik und Soziale Arbeit
2. Auflage 2009, 478 Seiten, € 32,00 zzgl. Versand
Die Behindertenarbeit befindet sich derzeit in einem hochdynamischen Umbruch: Ging es bisher um Normalisierung und Integration, so ist heute von Empowerment, Selbstbestimmung und Inklusion die Rede, von der Selbst-Bemächtigung, Selbstvertretung, Teilhabe und Anerkennung behinderter Menschen als Bürger unserer Gesellschaft.
Das Buch thematisiert diese Entwicklung, die auf unterschiedlichsten Handlungsebenen Fuß gefasst hat. Empowerment gilt als der zentrale Wegweiser zeitgemäßer Behindertenarbeit. Es steht für ein Konzept, das Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen als "Experten in eigener Sache" ernst nimmt. Empowerment ist heute fester Bestandteil in der Heil- und Sonderpädagogik. Mit ihm sollte sich jeder, der in der Behindertenarbeit tätig ist, beschäftigen!
Mehr Informationen finden Sie hier.
Vorgestellt

Das sind die Gesichter hinter 53° NORD
Hier stellen wir Ihnen die festen und freien Mitarbeiter vor, die den Verlag 53° Nord mit Ideen, Texten und Bildern, schlicht: mit Leben füllen.
Heute: Renate Sikorski
Jahrgang 1953, reist als gelernte Bankkauffrau 25 Jahre durch die Welt der Werbewirtschaft, betreibt nebenbei seit 1983 mit ihrem Mann einen Bioladen und beginnt 1996 ihre Tätigkeit im Sekretariat der Elbe-Werkstätten. 2008 wechselt sie als Assistentin des Geschäftsführers zur Elbe-Tochter 53°Nord. Als gute Seele des Verlags wirkt sie hier im „Back-Office“, organisiert den oft turbulenten Alltag und ist Ansprechpartnerin für alle offenen Fragen. Es ist, wie es ist – lautet das Motto der Optimistin, die gern malt und, wie sie sagt, in diesem Leben noch ein Buch schreiben will.
Mit herzlichen Grüßen
53° NORD Agentur und Verlag GmbH
Behringstraße 16a
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