Übersicht
Kommentar: Wahlfreiheit geht vor
KLARER KURS: Einblick in die neue Ausgabe, Lesermeinungen
Nachgefragt: Auszeichnung für das Integrationshotel Begardenhof
Neu im Medienversand: Der Georg, Texte und Bilder von Georg Paulmichl
53° NORD Service: Nützliche Links rund um die Berufliche Teilhabe
53° NORD intern: Der Arbeitsplatz von Sonja Schöffler
Liebe Leserinnen und Leser,
wer 53° NORD Einseitigkeit und Ideologielastigkeit vorwirft, wird sich beim Kommentar dieses Newsletters evtentuell verwundert die Augen reiben.
Unser Team besteht aus Praktikern, die sich bei aller Reformfreudigkeit stets für Lösungen einsetzen, die allen gerecht werden. So auch in der Scheindebatte "Inklusion versus Werkstatt".
Außer solchen Grundsatzüberlegungen hält dieser Newsletter wie immer Wissenswertes, Entspannendes und Humorvolles für Sie bereit.
Wir wünschen gewinnbringende und gute Unterhaltung.
Ihr 53° NORD-Team
Kommentar: Wahlfreiheit geht vor
Inklusion - dieser neue Begriff beschreibt eine Zielvorstellung für das Leben behinderter Menschen in unserer Gesellschaft. Sie sollen von Geburt an in Gemeinschaft leben können: im Kindergarten, in der Schule, im Berufsleben. Der Inklusionsgedanke ist mehr als ein Wolkenkuckucksheim von Gutmenschen. Er ist die Richtschnur der UN-Konvention für die Rechte behinderter Menschen, die die Bundesrepublik 2009 unterschrieben hat und die damit in Deutschland zu geltendem Recht geworden ist. Die Gesetzgebung muss sich an diesem Ziel ausrichten, auch wenn eine so weitreichende Zielsetzung nicht über Nacht zu verwirklichen ist.
Aber: Auch die glühendsten Inklusions-Verfechter sollten nicht das Kind mit dem Bade ausschütten. Die oberste Zielsetzung darf nicht "Inklusion um jeden Preis" heißen, sondern "Vielfalt und Wahlmöglichkeit". Viele Werkstattbeschäftigte wünschen sich den geschützten Rahmen der WfbM und viele brauchen ihn auch - zeitlich begrenzt oder dauerhaft. Die richtige Fragestellung heißt also nicht: Wie lässt sich Inklusion ohne Wenn und Aber verwirklichen? sondern: Wie lässt sich eine Angebotsvielfalt schaffen, die jedem mit seinen speziellen Bedürfnissen gerecht wird und die die Möglichkeit des Wechsels und des Übergangs bereithält?
Schließlich: Auch viele Werkstätten arbeiten mittlerweile an der Verwirklichung des Grundgedankens, der im Inklusionsbegriff und in der UN-Konvention steckt. Schon lange vor der Verabschiedung der UN-Konvention haben z.B. die Elbe-Werkstätten in Hamburg eng mit der Hamburger Arbeitsassistenz kooperiert und sie haben eigene Möglichkeiten des Zugangs in den Arbeitsmarkt entwickelt. Auch wenn viele dies nicht wahrhaben wollen: Teilhabe am Berufsleben lässt sich schon lange nicht mehr in exklusiv oder inklusiv, schwarz oder weiß aufgliedern. Die Grenzen verschwimmen.
KLARER KURS: Das erwartet Sie in der neuen Ausgabe

Die KLARER-KURS-Redaktion war wieder für Sie unterwegs und hat für die kommende Ausgabe aktuelle Themen gesammelt.
Unter anderem ist sie der Frage nachgegangen, woher die beeindruckenden Nachbildungen des Brandenburger Tors und der Siegessäule auf der Werkstättenmesse in Nürnberg stammten. Antwort: Aus den Berliner VIA-Werkstätten.
Sie unterhalten Deutschlands einzige WfbM-Abteilung für Theaterplastik und arbeiten für renommierte Bühnen wie das Theater des Westens, das Maxim-Gorki- und das Gripstheater oder die Volksbühne.
Was die Redaktion noch mehr in Erstaunen versetzte: VIA ist eine junge Werkstatt, die sich konsequent auf kreative und kunsthandwerkliche Arbeitsbereiche spezialisiert und damit eine überdurchschnittlich hohe Nachfrage bei Menschen mit Behinderung verzeichnet.
Wie die VIA-Verantwortlichen die schwierige Aufgabe lösen, sich mit künstlerischen und kreativen Ideen am Markt zu etablieren, das lesen Sie in Ausgabe 2/2010 von KLARER KURS, die Mitte Mai erscheint.
Wie unsere Leser KLARER KURS beurteilen, lesen Sie hier:

"Klarer Kurs ist für uns als Integrationsassistenten, aber ebenso für die Kollegen innerhalb der Werkstatt zu einer wichtigen Quelle geworden – wir ziehen daraus Inspiration und Information, erhalten Best-Practice-Beispiele und Hintergründe. Wir diskutieren über die Inhalte, hin und wieder auch mal kontrovers, und sehen uns dadurch ständig aufgefordert, unsere Arbeit weiter zu verbessern. Klarer Kurs ist mehr als nur ein weiteres Magazin!" Michael Zobeley
Michael Zobeley arbeitet seit 1990 für die Heinrich Kimmle Stiftung in Primasens, leitet deren Integrationsmanagement und fungierte als einer der Sprecher des landesweiten Arbeitskreises Integrationsmanagement unter dem Dach der LAG:WfbM in Rheinland-Pfalz. www.heinrichkimmlestiftung.de

"Wir lesen seit Mitte vergangenen Jahres KLARER KURS. Das Redaktionsteam beschreitet mit dem Magazin einen klaren Kurs, hat immer ein gutes Ziel vor Augen, hinterfragt kritisch, schreitet mit neuen Ideen beispielhaft voran und kleidet das alles in ein sehr ansprechendes und gut gelungenes Erscheinungsbild. Danke!"
"Umwege" lesen noch immer viel zu Viele – wir lesen KLARER KURS!" Silke Hoekstra
Silke Hoekstra ist Geschäftsführerin im Landesverband Sachsen der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung. Der Landesverband tritt aktiv für die Umsetzung der UN-Konvention zum Schutz der Rechte von Menschen mit Behinderung ein, unter anderem mit dem Projekt INKLUSION IN SACHSEN. Informationen unter www.inklusion-in-sachsen.de. Seit Januar baut er zudem ein Büro für leichte Sprache auf.

"Warum ich "KLARER KURS" lese? Weil ich hier Persönlichkeiten begegne, mit einem Gesicht, mit einer Sprache, mit einer Meinung. Ich bin immer wieder verblüfft, wie schnell ich vergesse, dass ich es in diesem Magazin mit Menschen mit Behinderung zu tun habe. Dass sie hier wahr- und ernst genommen werden, dass sie hier ein Gesicht und eine Stimme bekommen, das ist das ganz große Verdienst von "KLARER KURS". Machen Sie weiter so!"
Thomas Flörchinger, Journalist, Autor
www.bilder-bewegen-menschen.de
Informationen für ein Abonnement von KLARER KURS finden Sie auf unserer Abo-Seite.
Nachgefragt:
Service-Bestnoten für das Integrationshotel Begardenhof

In seiner Ausgabe 2/2008 berichtete unser Magazin KLARER KURS unter der Überschrift "Unterwegs zu Hause sein" über das Hotel Begardenhof, einen Integrationsbetrieb in Köln-Rodenkirchen mit 36 Zimmern.
Die Redaktion war von der ansprechenden Innenarchitektur und vom Wohlfühlambiente des Hotels sehr angetan. Auch der Service trug zu diesem positiven Eindruck bei.
Offensichtlich standen die Redakteure mit ihrer Einschätzung nicht allein: Das Hotel und seine Mannschaft erhielten von den Nutzern des Hotelportals hotel.de eine Auszeichnung für Bestleitungen im Bereich Service verliehen. Der Begardenhof zählt in dieser Kundenbewertung in Köln zu den bestbewerteten Hotels.
Zielgruppe des Integrationsbetriebs ist der besonders anspruchsvolle Kreis der Geschäftsleute, Tagungsgäste und Städtereisenden.
Wir gratulieren dem Team um Manager Marc Roelofs zu diesem ermutigenden Erfolg.
Kontakt
Hotel Begardenhof
Marc Roelofs
Brückenstr. 41
50996 Köln
Telefon: 01803 / 88 00 13 000
E-Mail: info@begardenhof.de
Internetadresse: http://www.begardenhof.de
Medienversand – Neu im Angebot:
Der Georg, Texte und Bilder von Georg Paulmichl

"Georg Paulmichl hat die deutsche Sprache quasi neu erfunden", schreibt Felix Mitterer in der Einleitung zu diesem Buch. "Für seine genialen Wortschöpfungen, für seine kurzen, lakonischen, haargenau den – wunden – Punkt treffenden Sätze tausche ich alle Satiriker, Humoristen und Aphorismus-Schöpfer der letzten hunderte Jahre ein."
Der Südtiroler Dichter lebt in Prad und besucht dort eine WfbM. Er schreibt seit den 80er Jahren und veröffentlichte 1990 sein erstes Buch. "Der Georg" enthält bisher unveröffentlichte Texte, ist aber auch ein "Best-Of" der letzen 20 Jahre. Ergänzt wird der Band durch eine CD mit Musik und Lesungen.
Hier zwei Kostproben von Paulmichl-Texten:
Staatsmänner
Die Staatsmänner sind von edler Qualität. Ihre Stimmen sind tief wie ein Tenor. Sie übersenden allerlei Botschaften an die Völker.
Durch die Politik weden die Staatsmänner zum hohen Rat befördert. Die Staatsmänner weihen ein, was die Gebäude halten. Ihre Bevollmächtigungen
haben sie von oben geerbt. In der Freizeit zählen die Staatsmänner die Raketen. Sie tun alles, damit sich das Volk dem Wohle fügt.
Behinderte
Die Welt braucht keine behinderten Menschen.
Aber da sind sie trotzdem.
Mit Geburtsgebrechen hat Jesus die Behinderten in die Welt geschickt.
In den Behindertenwerkstätten basteln sie Korbgeflechte.
Die Dorfbewohner sind froh, wenn sie keine Behinderten zu Gesicht kriegen.
Bei der Opfermesse singen sie die falsche Tonleiter.
Im Neubau der Behindertenwerkstätten wird das Leben eingeübt.
Die Betreuer sind streng und voller Ungeduld.
Die Körperbehinderten sind in den Rollstuhl integriert.
Ob sie im Himmel Einlass finden, weiß nur der liebe Gott.
Das Buch von Georg Paulmichl und das komplette Programm des Medienversands von
53°
NORD finden Sie hier.
53° NORD-Service

Nützliche Links zur beruflichen Teilhabe
Das richtungweisende Projekt "Integra Mensch" der Bamberger Lebenshilfe hat nun endlich einen eigenen Internetauftritt.
Zwar kommt er noch vergleichsweise brav daher, aber er gibt dem Leser einen Überblick darüber, was das Angebot einer Werkstatt auszeichnet, die sich dem Ansatz der Sozialraumorientierung verschrieben hat: Neben den "klassischen" Werkstattplätzen sind dies ein betriebliches Eingangsverfahren, die betriebliche Berufsbildung, gemeindenahe Arbeitsplätze im kommunalen und kirchlichen Bereich und in Klein- und Großbetrieben sowie ein Angebot zur Unterstützten Beschäftigung.
Analog zum ganzheitlichen Grundgedanken der Sozialraumorientierung bietet Integra Mensch den Teilnehmern auch Unterstützung beim "ambulanten Wohnen" und bei der Freizeitbegleitung.
Unter dem Stichwort "Deutschland bewegt" stellt die Seite auch eine große Anzahl von Kooperationspartnern vor, die mit den Bambergern gemeinsam das Konzept der Sozialraumorientierung vorantreiben wollen.
Passend dazu findet vom 19.-21. April in Hamburg eine Fachtagung statt, die den Titel "Sozialraumorientierung konkret" trägt und zu der sich über 120 Teilnehmer angemeldet haben.
Wer sich vor Ort über Integra Mensch und den Bamberger Ansatz informieren will, hat dazu Gelegenheit bei einem Lokaltermin von 53° NORD am 21. und 22. September.
53° NORD intern

Die Veranstaltungsagentur und der Verlag 53° NORD sind kein Selbstzweck, sie bieten Werkstattbeschäftigten der Elbe-Werkstätten Arbeit.
Für manche sind sie auch eine Durchgangsstation auf eine Tätigkeit außerhalb der WfbM. Im folgenden Text beschreibt Sonja Schöffler ihren Arbeitsplatz im Verlag und nennt ihre Ziele und Wünsche.
Meine Tätigkeit bei 53° NORD – Meilenstein auf dem Weg zum Arbeitsmarkt
"Willkommen im Team!" – so herzlich wurde ich im vergangenen Herbst bei 53° Nord begrüßt.
Ich hatte schon im BBB öfters für den Verlag gearbeitet, Internet-Recherchen ausgeführt und Teilnehmermappen für Veranstaltungen gepackt.
Nun stand im September 2009 der Hamburger LAG-Kongress an und es wurde spannend: Ich durfte mit vor Ort sein, die persönlichen Mappen an die vielen Teilnehmer ausgeben und diesen bei Fragen zur Verfügung stehen.
Bevor ich jedoch über meine Arbeit bei den "53ern" berichte, vielleicht noch ein paar Worte zu meiner "Elbe-Karriere" und wie es dazu kam:
Im Jahr 2001 bekam ich meine erste Depression, nach einem schweren Schicksalsschlag 2004 zog mich eine weitere in so schwarze Tiefen, dass ich mich erst nach mehreren Jahren davon erholen sollte.
Mit meinem 2002 erworbenen Uni-Abschluss in Französisch und Englisch konnte ich so natürlich nichts anfangen.
2007 sah ich ganz langsam wieder Land und guckte mir den Bürobereich im Betrieb Elbe 4.1 an, in dem ich mich gleich wohlfühlte – ein gutes Omen.
Im Januar 2008 war dann ein Platz für mich frei. Meine Chefs erklärten mir unermüdlich die Tücken des PC, ich war jedoch noch sehr vergesslich und unsicher.
Es sah zuerst nicht gut für meine Reha aus, da ich instabil war und exorbitant hohe Fehlzeiten aufwies. Nach einem sehr kurzen Krankenhausaufenthalt, der eine komplette Fehldiagnose entlarvte, kam jedoch die Wende. Ich habe dann im gesamten Jahr 2009 nur einen einzigen Tag gefehlt – und das aus körperlichen Gründen.
So wurde die Arbeit bei 53° Nord erst denkbar. Auf eine Veranstaltung folgte gleich die nächste, die Tagung "Marketing-Strategien" im Rieckhof, und hiernach lud mich Dieter Basener, der Verlags-Chef, ein, doch ganz bei 53° Nord zu bleiben.
Die Entscheidung war für mich persönlich auf jeden Fall goldrichtig, zumal hier ein herzliches Miteinander herrscht. Zuerst machte ich Urlaubsvertretung für meine Kollegin, inzwischen habe ich einen eigenen Arbeitsplatz.
Zu meinen Aufgaben gehört vor allem die Arbeit rund um unsere Veranstaltungen: Ich bestätige die eingehenden Anmeldungen per Mail und erstelle die für uns relevanten Datensätze, um später die oben erwähnten Mappen packen zu können. Außerdem bestelle ich bei den Verlagen Bücher nach, die wir in unserem Medienversand an Kunden aus ganz Deutschland verschicken. Mit meiner Kollegin wickle ich den Versand auch ab, kontrolliere auch die Kontoauszüge. Ich arbeite hauptsächlich am PC und mache Sachbearbeitung.
Manchmal ist das Tempo ganz schön hoch, aber das ist gut so, bereitet mich dies doch auf mein nächstes Ziel vor: den ersten Arbeitsmarkt. Wenn Sie dies lesen, habe ich gerade ein Praktikum bei einem Hamburger Kleinverlag begonnen, das auf ein halbes Jahr terminiert ist. Ich bin überzeugt davon, dass die Arbeit bei den Elbe-Werkstätten und bei 53° NORD viel zu meiner Gesundung beigetragen hat, wofür ich unendlich dankbar bin. So ist es inzwischen nicht mehr völlig utopisch, eines Tages "richtiges Geld" mit meiner Arbeit verdienen zu können.
Am liebsten wäre ich journalistisch tätig (ich darf ja schon mal üben!). Ich werde auf jeden Fall mein Bestes geben, damit es auch für mein berufliches Leben ein Happy End gibt.
Sonja Schöffler
Herzliche Grüße vom 53. Breitengrad
53° NORD Agentur und Verlag
Ein Geschäftsbereich der Elbe-Werkstätten GmbH
Behringstraße 16a
22765 Hamburg
Telefon: 040 – 414 37 59 88
Mail: info@53grad-nord.com
Internetpräsenz: www.53grad-nord.com