Eine Kurztherapie gegen Vorurteile

Übersicht

Editorial
Dialog im Dunkeln: Die Vorurteilstherapie
Neu in KLARER KURS: Blinde Frauen spezialisieren sich auf Brustdiagnostik
Veranstaltungsprogramm 2010: Erfolgreich Aufträge aquirieren
Neu im 53° NORD-Medienversand: Entzweiungen und Begegnungen. Eine Anthologie
Eine Prise Humor: Neue Wege im Dienstleistungsbereich
53° NORD Service: Nützliche Links rund um die Berufliche Teilhabe

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

der Newsletter von 53° NORD will Ihnen Informationen und Anregungen rund um das Thema berufliche Teilhabe von Menschen mit Behinderungen bieten, u.a. durch ermutigende Praxisbeispiele oder durch die Vorstellung von innovativen Köpfen aus der Reha-Landschaft. Unser Titelbeitrag verbindet beide Themenstränge miteinander, indem er Ihnen den Erfinder des Dialogs im Dunkeln, Anndreas Heinecke, sowie sein äußerst erfolgreiches Projekt vorstellt.

Erfolgreich ist der "Dialog" insbesondere deshalb, weil er weltweit mehr als 2.500 blinde Menschen dauerhaft in Arbeit gebracht hat. Lesen Sie den Bericht.

 

Dialog im Dunkeln: Die Vorurteilstherapie

Dialog im Dunkeln

Haben Sie schon einmal die Ausstellung "Dialog im Dunkeln" besucht? Nein? Wenn sich die Gelegenheit dazu ergibt, sollten Sie sich den "Dialog" nicht entgehen lassen. Wer sich diesen 90 Minuten Selbsterfahrung aussetzt, kommt verändert wieder heraus: Der Besuch hat gründlich mit eigenen Vorurteilen aufgeräumt und zwar mittels der wirksamsten aller Lernmethoden: dem intensiven eigenen Erleben.

Dabei gibt sich dieses radikale Therapiekonzept ganz harmlos als Freizeiterlebnis, für das die Besucher 18 € Eintritt bezahlen. 90 Minuten verbringen sie in völliger Dunkelheit, mit einem Spaziergang im Park, einer Bootsfahrt, inmitten des tosenden Straßenverkehrs, beim Besuch in einer Bar. Wer gewohnt ist zu sehen, fühlt sich hilflos und der Situation ausgeliefert. Zum Glück ist da der Guide, ein Blinder, für den die Dunkelheit Alltag ist. Die Rollen kehren sich um: Der Behinderte und Hilfebedürftige besitzt plötzlich die erforderlichen Fähigkeiten, er bietet seiner ängstlichen Gruppe Halt und Orientierung. Das Erlebnis ist so stark, dass sich in einer Nachbefragung nach fünf Jahren noch zu 100 Prozent daran erinnerten.

Mehr als sechs Millionen Besucher in 30 Ländern haben den "Dialog" bisher besucht, 6 000 blinde Menschen waren in den Ausstellungen beschäftigt. Und das Konzept entpuppte sich als Jobmaschine. Am Hauptstandort Hamburg wurden 40 Prozent der Guides erfolgreich in die Wirtschaft weitervermittelt.

Dr. Andreas Heinecke

Der Motor dieses Erfolges heißt Dr. Andreas Heinecke. Er entwickelte das Konzept für die Stiftung Blindenanstalt in Frankfurt. Seit 1995 ist er selbständig und mit "Dialog im Dunkeln" weltweit aktiv. Im Jahr 2000 bekam die Ausstellung in Hamburg einen festen Standort. Andreas Heinecke zu seinen Motiven: "Wir haben es uns zum Ziel gesetzt, mehr Bewusstsein und Toleranz für "Andersartigkeit" innerhalb der Gesellschaft zu entwickeln und so die Grenzen zwischen "uns" und "denen" abzubauen. Wir schaffen Arbeitsplätze für benachteiligte Menschen, indem wir ihre Defizite in Potentiale umwandeln und so das Selbstbewusstsein der Personen stärken, die normalerweise unterschätzt und unterbewertet werden. Für viele von ihnen bedeutet ihre Position das Ende der Arbeitslosigkeit. Sie entwickeln mehr Selbstbewusstsein und ändern ihr Selbstbild. Viele werden so von passiven Sozialhilfeempfängern zu aktiven Gestaltern ihres eigenen Lebens."

Andreas Heinecke hat mit seinem Konzept zahlreiche Preise gewonnen, darunter den "Stevie Wonder Vision Award" in New York und Auszeichnungen für "Best cPractice in Universal Design" in Tokio oder als "Unternehmer des Jahres" von der Harvard Business School.

Der rastlose Visionär ist weltweit unterwegs: Dialog-Ausstellungen gibt es mittlerweile auch in Amerika und Asien, von Atlanta und Guadalajara bis Tokio, Honkong und Singapur. Und er entwickelt neue Konzepte.

So startete er im Jahre 2009 in Dortmund die Ausstellung "Dialog im Stillen". Nach dem Muster des Dialogs im Dunkeln führen hier gehörlose Guides die Besucher durch schallisolierte Räume. Das Publikum wird mit immer neuen Szenerien konfrontiert, die nonverbal vermittelt und verstanden werden können. Jede Sequenz widmet sich einem anderen Aspekt der nonverbalen Kommunikation: Handzeichen, Gesichtsausdruck, Körpersprache und Gebärdensprache. In der letzten Station können die erworbenen Kenntnisse in einer gemütlichen Bar weiterentwickelt und angewendet werden. In sieben Monaten hatte die Ausstellung über 22 000 Besucher.

Weitere Informationen finden Sie unter unter www.dialog-im-dunkeln.de, www.dialogue-in-the-dark.com und www.dialog-im-stillen.de.

 

Neu in KLARER KURS

Die Ausgabe 1/2010 unseres Magazins KLARER KURS ist in Vorbereitung. Hier ein Beispiel aus der Vielzahl der Themen:

Blinde Frauen spezialisieren sich auf Brustdiagnostik

Behinderung birgt immer eine besondere Kompetenz. Diese Erkenntnis verfolgt nicht nur das Konzept des Dialogs im Dunkeln, sondern auch ein neuer Qualifizierungsgang des Berufsförderungswerks Düren für Blinde und Sehbehinderte. Der neue Berufszweig ist ausschließlich Frauen vorbehalten. Er trägt die Bezeichnung Medizinische Tastuntersuchung (MTU).

Die Absolventinnen arbeiten in gynäkologischen Praxen und sind spezialisiert auf die Vorsorgeuntersuchung gegen Brustkrebserkrankungen. In neun Monaten erlernen sie ein spezielles Verfahren, mit dem sie kleinste Veränderungen ertasten können.

Der Erfolg ihrer sehr gewissenhaften Untersuchungen: Die blinden Spezialistinnen ertasten Veränderungen ab einer Größe von zwei Millimetern.

Zum Vergleich: Bei Gynäkologen liegt die durchschnittliche Größe ermittelter Veränderungen bei 14 mm.

Dies ist ein starkes Argument für diese Spezialausbildung, denn hier geht es um Tage und Wochen und oft auch um Leben und Tod. Dennoch traf das neue Berufsbild bei den niedergelassenen Frauenärzten nicht nur auf Zustimmung. Die ganze Geschichte lesen Sie in der neuen Ausgabe von KLARER KURS. Sie erscheint am 20. Februar.

Wenn Sie sich ein Bild von der Themenfülle von KLARER KURS machen wollen, klicken Sie auf Probelesen online.

 

Neu: Das Veranstaltungsprogramm von 53° NORD

Das Programm von 53° NORD hält auch in diesem Jahr viel für Sie bereit, z.B. die Veranstaltungsreihe "Inklusiv arbeiten", Informationen über Sponsoring und Fördermittel, eine Fachtagung zu innovativen Angeboten für psychisch Erkrankte oder sehr attraktive Lokaltermine.

Ein Intensivseminar thematisiert zudem die erfolgreiche Akquisition von Aufträgen. Es findet am 29. und 30. März in Hamburg statt. Hier unsere Ankündigung:

Erfolgreich Aufträge akquirieren

Sie haben heute schon oder in absehbarer Zeit Kapazitäten frei. Gleichzeitig ist es Ihr Ziel, die Fähigkeiten Ihrer MitarbeiterInnen sinnvoll einzusetzen. Und darüber hinaus dürfen Sie die Rentabilität der Einrichtung nicht aus den Augen verlieren.

Ihre Entscheidung steht fest: Der Vertrieb muss aktiv(er) werden! Nun können Sie alt gewohnte Pfade beschreiten oder noch einmal ganz neu denken. Mutig Bisheriges in Frage stellen und - einem Unternehmensgründer gleich – die Basis Ihres Handelns prüfen:

  • Was genau bieten wir wem genau eigentlich an? Und wozu? Mit welchem Mehrwert für beide Seiten?
  • Wollen unsere potenziellen Kunden überhaupt, was wir als verkaufbare Leistung definiert haben?
  • Und wenn das WAS und WEM geklärt ist: Wie kommunizieren wir unsere Leistungen und Stärken?
  • Wie lauten unsere Kernaussagen und wie erreichen wir, dass unser Ansprechpartner tatsächlich uns den Auftrag erteilt?

Von der kreativen Ideenfindung für neue Geschäftsfelder über die Zielgruppendefinition bis hin zum erfolgreichen Verhandeln mit dem zukünftigen Kunden wird in diesem Intensivseminar mit vielen praktischen Übungen alles behandelt, was die Auftragssituation der WfbM und der Integrationsfirma verbessern und stärken kann und attraktive Arbeit für Menschen mit Behinderung schafft: Ideenfindung / Produkt, Dienstleistungsdefinition / Zielgruppen definieren / Marktforschung light / Argumentationsleitfaden / Einwandbehandlung /Verhandeln

Zielgruppe: Werkstattleitungen, Produktionsleiter, Vertriebsbeauftragte und alle aus WfbM und Integrationsfirmen, zu deren Aufgabengebiet die Akquise von Aufträgen – sei es im Bereich Produktion oder Dienstleistung – gehört und die mit Kunden verhandeln.

Weitere Hinweise finden Sie hier.
Zur Anmeldung geht es hier entlang.

 

Neu im 53° NORD-Medienversand –
Online-Fachbuchhandlung für berufliche Teilhabe

Buch Entzweiungen und Begegnungen

Entzweiungen und Begegnungen
Eine Anthologie

USE gGmbH (Hg)

Das Buch ist das Ergebnis eines Literaturwettbewerbs, den die Union sozialer Einrichtungen USE gGmbH im Rahmen der Woche der seelischen Gesundheit 2008 ausgeschrieben hatte. Der Wettbewerb richtete sich damals an Menschen mit Psychiatrie-Erfahrungen und wurde ein großer Erfolg: Bei dem gemeinnützigen Unternehmen gingen über 200 Beiträge aus dem gesamten deutschsprachigen Raum ein. 58 Erzählungen fanden den Weg in das Buch und werden ergänzt durch Bilder aus dem Offenen Atelier des St. Hedwig-Krankenhauses in Berlin.

Allein sein, fremd sein, nicht zu sich und nicht zu anderen finden – davon berichten die Erzählungen dieses Buches. Aber auch von beglückenden Begegnungen, vom Ankommen und von der Liebe. Und das mal sehr bedrückend authentisch, gelegentlich absurd, oft aber auch heiter. In ihrer Bandbreite spiegeln die Erzählungen die vielschichtigen Erfahrungen wieder, die Menschen mit und in der Psychiatrie gemacht haben.

Entstanden ist ein Werk, das den Leser einlädt, sich auf andere Alltags- und Lebensweisen einzulassen – und vielleicht auch die eigenen zu hinterfragen.

296 Seiten, Berlin 2009
9,90 € zzgl. Versand

Zur Online-Bestellung

Zum Gesamt-Angebot des 53° NORD-Medienversands kommen Sie hier.

 

Eine Prise Humor…

Karikatur

Aus den Glossen von KLARER KURS:

Neue Wege im Dienstleistungsbereich

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise macht auch vor unseren Betrieben nicht halt und zwingt uns, neue Wege zu gehen. Die Zukunft liegt dabei, darüber sind sich alle Experten einig, im Dienstleistungsbereich.

KLARER KURS möchte seinen Leserinnen und Lesern Mut machen, über eigene Schritte nachzudenken und veröffentlicht deshalb hier die noch geheimen Planungen einer nicht näher genannten WfbM. Ihr großes Plus: Ihre sensationelle Kultband "Songs für alle Fälle", bestehend aus drei Werkstattmitarbeitern, kann einen tragenden Part bei (fast) allen Angeboten übernehmen:

  • Essen auf Rädern ist an sich keine neue Idee. Was wir zusätzlich bieten können, sind fürsorgliche und aufmunternde Gespräche. Schließlich verfügen wir über ein Team von echten Kümmer-Profis. Falls das alles noch nicht reicht: Für gute Laune sorgt unsere Band "Songs für alle Fälle".
  • Eine weitere Idee: Die Ausrichtung von Feiern und Festen jeder Art. Geburtstagsfeiern, Hochzeiten, Jubiläen – alles können wir organisieren. Auch die Organisation eines Unterhaltungsprogramms ist möglich, natürlich mit unserer Band "Songs für alle Fälle".
  • Im Bestattungsgewerbe hat bisher noch kaum eine Werkstatt Fuß gefasst. Damit trifft die Dienstleistungsidee „Gestaltung von Bestattungen und Trauerfeiern“ eine Marktlücke. Den Sarg, den Grabschmuck, den erfahrenen Trauerredner, auf Wunsch auch die Trauergemeinde, alles gibt es aus einer Hand – von unserem Bestattungsservice. Gegen Aufpreis erhältlich: Passende Musikbeiträge der Band "Songs für alle Fälle".
  • Auch im Bereich der Verkehrsordnungsaufgaben können wir künftig Dienstleistungen anbieten. Gedacht ist an das Knöllchenverteilen für Parksünder oder die Radarkontrolle an Straßen und Autobahnen. Der Einsatz von "Songs für alle Fälle" wird sich hierbei jedoch eher schwierig gestalten.
  • Eine letzte Idee: Die Frohsinnstherapie am Arbeitsplatz, einem Spezialangebot für Depressionspatienten, die auf Kosten der Krankenkasse mit unseren fröhlichen Mitarbeitern zusammenarbeiten dürfen. Die Erfolgsaussichten liegen überdurchschnittlich hoch. Die wöchentlichen Gruppensitzungen werden begleitet von den aufbauenden Liedbeiträgen unserer Band "Songs für alle Fälle".

Sie sehen also, der Dienstleistungszukunft sind keine Grenzen gesetzt. Viel Arbeit wartet auf diese Werkstatt, und die wichtigste Aufgabe hat dabei selbstverständlich – "Songs für alle Fälle".

 

53° NORD-Service

Foto

http://www.handicap-netzwerk.de

Nach der Übernahme der Internet-Suchmaschine metareha.com baute der Freundeskreis für Menschen mit Behinderungen ihr Informationsportal kontinuierlich aus. Ob Schlagzeilen, aktuelle Termine oder die integrierte Suchmaschine, es werden schnell und unkompliziert Informationen zur Verfügung gestellt.

Wenngleich sich derzeit noch Bereiche im Aufbau befinden, wie etwa ein Vernetzungsprojekt oder ein Marktplatz, bietet das Handycap-Netzwerk bereits jetzt ein umfangreiches Informationsangebot.

Die Suchmaschine bietet neben der Möglichkeit der einfachen Suche eine erweiterte Suche. Auch die Suche über ein Themengebiet kann sich lohnen. Hier findet man zwar nicht so viele Einträge, wie in anderen bekannten Internet-Suchmaschinen, dafür allerdings sehr relevante Ergebnisse.

http://www.arbeitsagentur.de/...

Auf der Internetseite der Agentur für Arbeit sind zahlreiche Informationen rund um das Thema Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen zusammengestellt worden. Die Agentur für Arbeit bietet ein vielfältiges Unterstützungsangebot zur Integration in Ausbildung und Arbeit.

Es werden Fragen zum Ärztlichen oder Psychologischen Dienst, zur Berufsvorbereitung, zu Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten und zu finanziellen Hilfen beantwortet. Hilfreich sind auch die zum kostenlosen Download bereitgestellten PDF-Dokumente: "Unterstützte Beschäftigung", "Menschen mit Behinderung" und "Durchstarten – Berufliche Reha".

 

Mit herzlichen Grüßen

53° NORD Agentur und Verlag
Ein Geschäftsbereich der Elbe-Werkstätten GmbH

Behringstraße 16a
22765 Hamburg
Telefon: 040 – 414 37 59 88
Mail: info@53grad-nord.com
Internetpräsenz: www.53grad-nord.com