Fehlt den Reha´s der Mut zum Risiko?

Übersicht

Einleitung
Gastautor Anton Senner: Wieviel Unsicherheit braucht der Mensch?
KLARER KURS: Das neue Heft
Veranstaltungen: Fundraising, Spenden, Stiftungen und die Aktion Mensch
Neu in der Online-Buchhandlung: Der Georg
53° NORD-Service: Nützliche Links
Eine Prise Humor: Betriebstreue

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Foto Anton Senner

unser Gastautor Anton Senner, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen, hat die Akteure der beruflichen Teilhabe auf ihre Bereitschaft zum Wandel abgeklopft und kommt zu dem Schluss, dass Adenauers Wahlkampfslogan von 1957 für viele immer noch die Richtschnur des Handelns ist.

Der hieß: „Keine Experimente!“ und bescherte ihm damals einen überwältigenden Wahlerfolg. Anton Senner wirbt für mehr Mut zur Veränderung. Lesen Sie seinen Beitrag.

 

Wie viel Unsicherheit braucht der Mensch?

Ein Beamter kommt nach 29 Dienstjahren zu seinem Chef und sucht eine neue Aufgabe. Chef: "Lehmann, Sie sitzen jetzt seit 29 Jahren im gleichen Büro und wollen sich nun versetzen lassen?" Lehmann: "Tja Chef, das ist halt das wilde Zigeunerblut in mir!"

Seien wir mal ehrlich: Hat sie nicht ihren besonderen Reiz in Zeiten der Wirtschaftskrise, der allseits drohenden Arbeitslosigkeit, der zunehmenden Verarmung immer breiterer Bevölkerungsschichten? Die Unkündbarkeit des Arbeitsverhältnisses. Die Planbarkeit von Tages-, Wochen- und Jahresabläufen. Die Berechenbarkeit der Anforderungen zu Hause und im Beruf. Kurz: die Sicherheit.

Besonders schwache Menschen brauchen Sicherheit. So das Paradigma der Sozialgesetze. Und hier wiederum sind es Menschen mit Behinderung, die den höchsten Schutz in unserer Gesellschaft genießen.

Einen Rechtsanspruch auf Arbeit? Den gibt es nur hier. Ein ausdifferenziertes System der Bereitstellung von Wohnraum, von Unterstützung, von Ermöglichung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft - für keine andere Personengruppe existiert ein derart umfassendes Hilfesystem. Und das ist gut so.

Nun stehen wir vor besonderen Herausforderungen. Das Finanzsystem ist beinahe kollabiert und noch lange nicht über den Berg. Die Geschäfte laufen schlecht, die Steuereinnahmen sinken. Gleichzeitig steigt die Zahl der Menschen mit besonderem Hilfebedarf. In den letzten 10 Jahren stiegen die Ausgaben der Eingliederungshilfe um 49 %. Die Ausbreitung psychischer Erkrankungen hält unvermindert an und die wachsenden Schülerzahlen in den Förderschulen zeigen, dass auch im Bereich der geistigen und Lern-Behinderungen mit steigenden Fallzahlen zu rechnen ist.

Das hat zur Folge, dass mehr Menschen um weniger Geld konkurrieren. In unserer wettbewerbsorientierten Gesellschaft bedeutet das ein ‚Jeder gegen Jeden’. Im Konsens einigt man sich dann bestenfalls auf weitere Verschuldung und bürdet damit den nachfolgenden Generationen, sprich unseren Kindern, die Last auf. Auch kein guter Weg. Auf jeden Fall gilt es erst einmal, das Erreichte, die Besitztümer zu verteidigen – frei nach der Devise: Ein festes Haus ist unsere Burg.

Übertragen auf uns, unsere Arbeit bedeutet dies: ein festes Haus ist unsere Einrichtung, unser Angebot, unser Dienst, unsere Firma. Nicht dass wir dies um unser selbst Willen so verständen. Es ist die Leistung für den behinderten Menschen, seine Förderung und Unterstützung, seine Sicherheit, die es zu wahren gilt.

Vieles, was neu daher kommt, könnte dies gefährden. In den berechtigten Kampf gegen die Verschlechterung von Sozialleistungen vermischt sich da schnell die Skepsis gegenüber neue Paradigmen, Strukturen und Verfahren der Hilfeerbringung. Auf dem Papier hört sich alles gut an: Personenzentrierung, Inklusion, Individualisierung und Flexibilisierung. Aber wenn es um die praktische Umsetzung geht, dann sind die Bedenken groß: „Letztlich will der Staat nur sparen“ und „dem behinderten Menschen drohen Leistungskürzungen und Einsamkeit“ – so die gängigen Einschätzungen.

Szenenwechsel: Wenn wir auf unser Leben zurück schauen, auf die Momente und Umstände, in denen wir uns weiter entwickelten, in denen wir Klarheit und Kreativität entwickeln konnten - dann waren es nicht unbedingt die klar strukturierten und geregelten Lebensabschnitte, sondern vielmehr auch die Brüche, die Abschiede und Neubeginne, die Verluste und unerwarteten Gewinne, an denen wir gewachsen sind und unsere Persönlichkeit entfalten konnten. Gilt dieses nicht auch für die Menschen, die chronisch erkrankt, die behindert sind und die vielleicht lebenslang versorgt und unterstützt werden (müssen)? Beinhaltet das Festhalten an einer bestimmten Leistungsform vielleicht nicht auch eine Verringerung von Chancen? Wirkt die Verringerung von Risiko wirklich immer stabilisierend? Wie viel Unsicherheit braucht der Mensch zu seiner Entfaltung?

In einer Dichte wie selten zuvor sind im Jahr 2009 auf verschiedensten Ebenen Überlegungen zu einer Änderung der Hilfen für Menschen mit Behinderung angestellt worden. Die UN-KONVENTION formuliert „das gleichberechtigte Recht aller behinderten Menschen, mit gleichen Wahlmöglichkeiten wie die anderen Menschen in der Gemeinschaft zu leben“. Der DEUTSCHE VEREIN will „die bisher institutionsgebundenen Leistungen der Eingliederungshilfe und der Agentur für Arbeit als personenzentrierte Leistungen ausgestalten“ und für die ARBEITS- UND SOZIALMINISTER¬KONFERENZ entfällt zukünftig „die Charakterisierung (…) in ambulante, teilstationäre und stationäre Maßnahmen der Eingliederungshilfe“.

Entfaltung braucht manchmal die Chance zum Risiko. Das gilt für Menschen wie für Einrichtungen. Ich meine: Wir könnten es riskieren, in der Behindertenhilfe ein wenig mutiger zu sein.

Anton Senner, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft Integrationsfirmen

 

Das neue Heft KLARER KURS erscheint
am 18. Februar 2010

Themen unter anderem:

  • Bildung: Qualifizierung zur Medizinischen Tastuntersucherin (MTU) in der Brustkrebsfrüherkennung - Berufsförderungswerk Düren - Zentrum für berufliche Bildung Sehbehinderter
  • Arbeit: Eigenprodukt im weltweiten Wettbewerb – Wenger-Medizintechnik des Behindertenzentrums Stuttgart e.V. (bhz)
  • Entwicklung: Eine Werkstattgruppe organisiert ihre Arbeitsprozesse nach dem Teamprinzip. Die Reha-Werkstatt Ost des Behinderten-Werk Main-Kinzig, Bad Soden-Salmünster
  • Kunst: Beim Kaffee den Künstlern über die Schultern schauen - Das Ateliercafé EinBlick in Kaarst bei Düsseldorf

Für weitere Informationen und zum Abonnieren gehen Sie bitte auf unsere Abo-Seite.

 

VERANSTALTUNGEN LAST MINUTE: NOCH PLÄTZE FREI!

Kein Geld für neue Projekte?

KEIN GELD FÜR NEUE PROJEKTE?
Alles über Stiftungen, Sponsoring und Fördermittel
Intensivseminar Düsseldorf 2./3. März 2010

in Kooperation mit der Werkstatt für angepasste Arbeit, Düsseldorf

Die Finanz- und die Wirtschaftskrise, die sinkenden Steuereinnahmen und die schlechte Auftragslage schlagen sich nieder in den Budgets der Werkstätten, Integrationsfirmen, Ausbildungseinrichtungen und Dienste.

Gleichzeitig ist Marktorientierung und die Entwicklung neuer Konzepte wichtiger denn je, Entwicklungen, die personelle und finanzielle Ressourcen erfordern. Das Seminar gibt Antwort auf die Frage: Wo finde ich über Drittmittelfinanzierung finanzielle Unterstützung für meine Projekte, wenn die Geldmittel immer knapper werden? Intensivschulung mit praktischen Übungen.

Stefan Burkhardt, Leiter Impulsförderung der Aktion Mensch, erläutert die neuen Förderrichtlinien der Aktion Mensch. Was wird wie lange gefördert und wie stellt man Anträge?

Tom Neukirchen, ausgewiesener Experte im Fundraising und Geschäftsführer von Fundgiver, Hamburg, führt ein in die Themen Beziehungsmarketing und Spendenobjekte. Worauf kommt es Sponsoren an, wie gewinne ich Stiftungen als Geldgeber – und was ist Erbschaftsfundraising?

Ort: Düsseldorf, Jugendgästehaus
Kosten: 290,- zzgl. MwSt.
Bei Übernachtung im Jugendgästehaus: zzgl. 48,50 €/Nacht

Anmeldungen bitte hier.

 

Neu im 53° NORD-Medienversand –
Online-Fachbuchhandlung für berufliche Teilhabe

Buch Der Georg

Der Georg

Der Autor ist 1960 geboren, lebt in Prad (Südtirol) und besucht dort die Behindertenwerkstatt. Seit den 80er Jahren schreibt und malt er. Für seine Werke wurde er mit mehreren Preisen ausgezeichnet und erhielt 2007 das österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst.

Neben einer Auswahl seiner besten Texte der vergangenen 20 Jahre enthält dieser Band zahlreiche neue Prosastücke und Bilder. Die beigelegte CD enthält eine Lesung von Paulmichl-Texten durch seinen Betreuer und Herausgeber sowie weitere Vertonungen von Wolfgang Paulmichl, Walter Tolloy und Erwin Windegger.

Was Paulmichl auszeichnet sind seine gelungenen Wortschöpfungen und diese seltene Fähigkeit die deutsche Sprache auf den Punkt zu bringen. Er ist in der Lage den Leser zum Lachen zu bringen, vielleicht auch zum Weinen, ganz sicher aber zum Nachdenken. "Der Georg" ist Kurzprosawach, sensibel und mit einem schrägen Blick auf die Alltäglichkeiten der Welt und der Menschen – die durch ein außerordentliches Sprachgefühl entstehen konnte. Es sind Sätze wie: "Die Welt braucht keine Behinderten. Aber da sind sie trotzdem" oder "Manchmal besucht die Lebenshilfe einen Kurs zur Erhöhung der Denkweise", die zum Lesen und Stöbern auffordern.

Georg Paulmichl
Insbruck 2008
108 Seiten + CD
€ 19,90 zzgl. Versand
ISBN 978-3-85218-566-8

Zur Online-Bestellung

Zum Gesamt-Angebot des 53° NORD-Medienversands kommen Sie hier.

 

53° NORD-Service

Foto

Nützliche Links zur beruflichen Teilhabe

Barrierefreies Internet

In dieser Rubrik stellen wir ihnen üblicherweise Links zu Webseiten unterschiedlicher Organisationen zusammen, unter denen Sie nützliche und gut aufbereitete Informationen und Materialien für ihre tägliche Arbeit finden.

Heute stellen wir ihnen drei weitere interessante Angebote vor, die sich mit dem Thema "Barrierefreiheit im Internet" befassen. Vielleicht klicken Sie vorbei und finden Anregungen, ihren Internetauftritt in Hinblick auf Barrierefreiheit zu hinterfragen.

http://www.einfach-fuer-alle.de

"Einfach für Alle" (EfA) ist eine Initiative der Aktion Mensch für ein barrierefreies Internet. Das Internet bietet Menschen mit Behinderungen eine Vielzahl von Möglichkeiten, das Leben selbständiger und unabhängiger zu gestalten. EfA stellt Informationen für die Betreiber von Internetseiten zusammen, wie sie von barrierefreien Angeboten profitieren können.

Ursprünglich wurde das barrierefreie Internet für Menschen mit Behinderung konzipiert, doch die innovativen Standards bieten dem Nutzer weitaus mehr Vorteile. Denn Webseiten, die für Braille-Zeile und Screenreader zugänglich sind, können auch über Smartphones besser genutzt werden und eine schlanke Programmierung sorgt für kürzere Ladezeiten und geringere Kosten.

http://www.barrierefinder.de

Wer sich mit dem Thema der Barrierefreiheit auseinander gesetzt hat bzw. sich fragt, wie barrierefrei die eigene Webseite denn nun eigentlich ist, der wird für den Barrierefinder dankbar sein.

Der Barrierefinder ist einfach gehalten und ermöglicht es ohne Vorkenntnisse, eine Internetseite schnell und unkompliziert auf Barrieren zu testen. Wenn nur wenige einfache Regeln beachtet werden, kann in vielen Fällen die Barrierefreiheit erheblich verbessert werden.

http://www.biene-award.de

Seit 2003 vergeben die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen für die besten deutschsprachigen barrierefreien Angebote im Internet die BIENE.

Mehr als 80 Anbieter von Webseiten wurden seither mit der "BIENE" (Barrierefreies Internet eröffnet neue Einsichten) ausgezeichnet und vielleicht haben wir auch Ihren Ehrgeiz wecken können. Alles Wissenswerte zu diesem lohnenswerten Wettbewerb finden Sie auf dieser Internetseite.

Die komplette Liste nützlicher Links für Ihre Arbeit finden Sie auf unserer Internetpräsenz unter "Vernetzung".

 

Eine Prise Humor…

Karikatur

Aus den Glossen von KLARER KURS:

Betriebstreue

Moderne Betriebe entwickeln und pflegen bewusst ihre Personalressourcen. Sie wollen die Bindung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Firma festigen, zum Beispiel mit Geschenken zu Betriebsjubiläen.

Vorbei ist die Zeit, in der die Sekretärin zum 25-jährigen im Auftrag der Geschäftsführung einen netten Blumenstrauß überreichte.

Wenn fähige und erfahrene Kollegen nicht zur Konkurrenz wechseln sollen, darf es heute schon mal ein bisschen mehr sein. Und so sind auch die Gemeinnützigen Betriebe für angepasste Beschäftigung in Volksheim dabei, ein abgestuftes System zu erarbeiten, mit dem sie die Betriebstreue in Zukunft belohnen.

KLARER KURS veröffentlicht die Ideen vorab und exklusiv:

  • Zum 10-jährigen Betriebsjubiläum: Wahlweise eine Schiffsfahrt auf der Elbe von Hamburg nach Dresden oder ein kleines Paket krisensicherer Wertpapiere.
    Weiterer Vorschlag: Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung von 53° NORD mit einem der Betriebsleiter.

  • Zum 20-jährigen Betriebsjubiläum: Mehretappige Ballonfahrt über Deutschland mit Unterkunft in First-Class-Hotels oder ein mittleres Paket krisensicherer Wertpapiere.
    Weiterer Vorschlag: Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung von 53° NORD mit dem Geschäftsführer.

  • Zum 30-jährigen Betriebsjubiläum: Dreiwöchige Kreuzfahrt mit der Queen Mary II oder ein großes Paket krisensicherer Wertpapiere.
    Weiterer Vorschlag: Teilnahme an einer Fortbildungsveranstaltung von 53° NORD ohne Betriebsleiter oder Geschäftsführer.

 

Mit herzlichen Grüßen

53° NORD Agentur und Verlag
Ein Geschäftsbereich der Elbe-Werkstätten GmbH

Behringstraße 16a
22765 Hamburg
Telefon: 040 – 414 37 59 88

Mail: info@53grad-nord.com
Internetpräsenz: www.53grad-nord.com