Ein vernachlässigtes Feld
beruflicher Teilhabe

Übersicht

Ein vernachlässigtes Feld beruflicher Teilhabe
Leserbrief zum Kommentar "Wahlfreiheit geht vor"
"Adelstitel" für KLARER KURS
Leserbrief zur letzten KLARER-KURS-Ausgabe
KLARER KURS: Die neue Ausgabe
Neu im Medienversand: Das RouterPrinzip
53° NORD Service: Nützliche Links
53° NORD intern: Fotograf Axel Nordmeier

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

für Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen, etwa nach einem Unfall oder einem Schlaganfall, ist das Arbeitsleben in der Regel beendet. Sie finden nur selten den Weg aus der medizinischen Rehabilitation zurück in den Beruf. Dieser Newsletter berichtet u. a. von den Ergebnissen einer Fachtagung, die sich mit dem Thema Arbeit und erworbene Hirnschädigung beschäftigte.

Besonders hinweisen möchten wir Sie diesmal auch auf unseren Link-Tipp. Er führt Sie auf eine sehr lebendige und vergnügliche Seite, die schnell zu ihren Lieblingen im World-Wide-Web zählen könnte. Und Sie erfahren, wer KLARER KURS für das beste Magazin seiner Art in Europa hält.

Wir wünschen gewinnbringende und gute Unterhaltung.

Ihr 53° NORD-Team

 

Ein vernachlässigtes Feld der beruflichen Teilhabe

Foto Dr. Heidemarie Hofmann-Princ

Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen sind wohl die am meisten vernachlässigte Personengruppe in der beruflichen Rehabilitation. Das wurde den Teilnehmern einer Fachtagung von 53° NORD in Hamburg am 10. und 11. Mai gleich zu Beginn bewusst.

Dr. Heidemarie Hofmann-Princ von der Reha-Aktiv Friedehorst GmbH nannte Zahlen:

350.000 Neufälle gibt es in Deutschland pro Jahr, 150.000 – 200.000 davon im erwerbsfähigen Alter.

Nur wenige Einrichtungen in der Bundesrepublik halten für diesen Personenkreis ein spezielles Angebot zur Rückkehr ins Berufsleben bereit. Insbesondere die Werkstätten spielen dabei eine untergeordnete Rolle. Die Werkstatt hat bei diesem Personenkreis ein Imageproblem, dass sich nur allmählich aufweichen lässt. Dass es anders geht, bewiesen die Praxisbeispiele aus der Hamburger Werkstatt und aus der Werkstatt Dravendahl, einem Zweigbetrieb der Husumer Werkstätten.

Wichtigste Botschaft der WfbM-PraktikerInnen: Das Angebot muss außerhalb der "klassischen" Werkstatt angesiedelt sein, es muss speziell auf diesen Personenkreis zugeschnitten werden und es benötigt eine besondere Fachkompetenz des Personals.

Ein gutes professionelles Eingliederungskonzept, eng verzahnt mit der medizinischen Rehabilitation, ist dabei unerlässlich. Nach der Phase der beruflichen Bildung sollte die WfbM über eine große Bandbreite von Berufsmöglichkeiten verfügen – von werkstattüblichen Arbeitsfeldern wie Verpackung und Montage über Außenarbeitsplätze in Betrieben bis hin zu einem Fachvermittlungsdienst für den Zugang zum ersten Arbeitsmarkt.

Die Frage der Wiedervermittelbarkeit in den ersten Arbeitsmarkt wurde allerdings von den ReferentInnen unterschiedliche beurteilt. Darauf spezialisierte Einrichtungen wie die Reha-Aktiv GmbH oder das Tagestrainingszentrum in Oschatz berichteten über bis zu 60% Vermittlungserfolge, Werkstätten standen einer Wiedereingliederung in den ersten Arbeitsmarkt viel skeptischer gegenüber ("Ein schöner Traum…").

Klar wurde jedoch auch: Das Ausmaß der Schädigung und damit der Unterstützungsbedarf ist sehr unterschiedlich und jede Angebotsform hat ihre Berechtigung. Bisher sind die Angebote noch zu wenig verzahnt, die Unkenntnis über die Möglichkeiten der anderen Angebote war auf der Tagung z.T. erschreckend deutlich.

Fazit: Arbeit für Menschen mit Hirnschädigungen ist ein Feld mit großem Entwicklungsbedarf. Die Leistungsträger, insbesondere Rentenversicherungen und Berufsgenossenschaften sind oft bereit, die Kosten für eine (Re-)Integration ins Arbeitsleben zu übernehmen. Professionelles Vorgehen ist bei dieser sensiblen Personengruppe allerdings ebenso unerlässlich wie eine enge Vernetzung der Angebote.

Kommentar einer Teilnehmerin zu dieser Fachtagung: "Nette und lebendige Atmosphäre, gute Vortragende mit hervorragenden Praxiskenntnissen, ausgewogene Quantität an Inhalten und Vorträgen. Fazit: Eine sehr gelungene Veranstaltung!"

Die nächsten Veranstaltungen von 53° NORD finden Sie hier.

 

Leserbrief zu unserem Kommentar: Wahlfreiheit geht vor

Mitte April fanden Sie an dieser Stelle einen Redaktionskommentar mit dem Titel "Wahlfreiheit vor Inklusion". (Für alle, die ihn noch einmal nachlesen wollen, hier der Link.)

Illustriert hatten wir das Thema mit einem Logo des Hamburger Vereins Eltern für Integration, der uns seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden ist.

Der Inhalt des Artikels bewog allerdings die Vorsitzende des Vereins, Viola Kleffel, zu einer Stellungnahme, die wir gerne abdrucken:

Grafik Inklusion

Lieber Leser, liebe Leserin!
Letzten Monat sahen Sie an dieser Stelle unser farbenfrohes Broschürenlogo: behinderte- nichtbehinderte,inklusion...Eltern für Integration e.V. Leider passte der Text keinesfalls zu dem, wofür unser Logo steht: Der Verein Eltern für Integration e.V. setzt sich ohne Wenn und Aber für die gesellschaftliche Teilhabe aller Menschen ein, eben auch der Menschen mit Behinderung.

Als wir vor über 30 Jahren diese Forderungen erhoben, gab es nur Sonderschulen und dann Arbeit in Werkstätten für bestimmte Menschen. Das hat sich geändert: Organisationen wie unsere Hamburger Arbeitsassistenz vermitteln z.B. Menschen mit einer geistigen Behinderung Arbeit auf dem ersten Arbeitsmarkt. Daran hat der Chefredakteur von 53 Grad Nord sogar mitgearbeitet. Und in Zukunft können Kinder mit Behinderungen nicht nur in I-Klassen angemeldet werden, sondern in jeder Primarschule.

Eine UN-Konvention hat das Recht auf gesellschaftliche Teilhabe für Menschen mit Behinderung endlich klar festgeschrieben (vgl. Artikel 24 Bildung und 27 Arbeit). Und ein Recht kann nicht beliebig aufgeweicht und abgeändert werden.

Einen Rechtsanspruch hat man – Punkt. Ob jemand freiwillig auf diesen Rechtsanspruch verzichtet, das steht in der Tat jedem einzelnen frei.

Viola Kleffel, 1.Vorsitzende von LAG Eltern für Integration e.V.

 

"Adelstitel" für KLARER KURS

Foto Franz Wolfmayr

"KLARER KURS ist Europas bestes Magazin für berufliche Teilhabe." Dies ist die Meinung eines Experten, der sich ein solches Urteil erlauben kann.

Franz Wolfmayr ist Präsident der EASPD, der EUROPEAN ASSOCIATION OF SERVICE PROVIDERS FOR PERSONS WITH DISABILITIES.

Die Organisation mit Sitz in Brüssel ist der Dachverband für 8.000 Einrichtungen und Dienste für Menschen mit Behinderung. Hier seine Stellungnahme im Wortlaut:

Ich kenne kein weiteres Magazin in Europa, das so aktuell und gut aufbereitet für die berufliche Integration von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt eintritt.

Die Artikel sind gut recherchiert und journalistisch geschrieben. Die Zeitschrift hebt sich erfrischend hervor aus dem Meer von "Sozial - Zeitschriften".

Ich wünsche 53 Grad Nord eine weitere positive Entwicklung und hoffe, dass der Fortbestand gesichert bleibt.

Mit freundlichen Grüßen, Franz Wolfmayr

 

Leserbrief zur letzten Ausgabe "KLARER KURS"

Thomas Rinke, der pädagogische Leiter der Preetzer Werkstätten, setzt sich in einem Leserbrief kritisch-konstruktiv mit einem Artikel aus der letzten Ausgabe von KLARER KURS auseinander, und zwar mit dem Projekt der Gruppen-, Arbeits- und Förderdokumentation (GAF) der Hamburger Werkstatt. Unter anderem führt er aus:

"Die Unternehmensziele der WfbM – Produktion /Dienstleistung und Rehabilitation – bilden somit kein (!) Gegensatzpaar. Sie sind vielmehr aufeinander angewiesen und bei der Verfolgung beider Ziele entstehen Synergien. Produktion und Dienstleistung liefern den Fachkräften erst die Basis, um die beruflichen Perspektiven der MitarbeiterInnen mit Behinderung zu entwickeln."

Den vollständigen Beitrag finden Sie hier (2. Meldung auf der Seite).

 

KLARER KURS: Das erwartet Sie in der neuen Ausgabe

Foto Titel Klarer Kurs Ausgabe 2 2010

Die neue Ausgabe von KLARER KURS ist in Druck und wird den Abonnenten in den nächsten Tagen zugehen. Die Redaktion besuchte unter anderem die Berliner Werkstatt für Behinderte GmbH und informierte sich über deren Kooperation mit dem Porsche Zentrum Berlin.

Was diese Kooperation beinhaltet und was Porsche von einer Werkstatt lernen kann, lesen Sie in der neuen Ausgabe. Soviel sei schon verraten: Es geht um einen abgestimmten Ausbildungsgang, in den das besondere Know-how beider Partner eingegangen ist. BWB-Rehaleiterin Berni Jansen:

"Die Kooperation beweist, dass wir Werkstätten nicht nur von Wirtschaftsbetrieben lernen, sondern dass wir ihnen auch etwas geben können."

Informationen für ein Abonnement von KLARER KURS finden Sie auf unsere Abo-Seite.

 

Medienversand – Neu im Angebot:
Thomas Geduhn, Das RouterPrinzip

Buchcover 1 Das RouterPrinzip für Jugendliche

Buchcover 2 Das RouterPrinzip für Unternehmer

KLARER KURS berichtete in Ausgabe 3/2008 über den Unternehmer Heribert Füngeling. Er gründete 2004 mit der Sozialpädagogin Monika Labruier das Integrationsunternehmen Füngeling Router, um junge Menschen mit Behinderung auf Arbeitsplätzen des ersten Arbeitsmarktes zu qualifizieren. Bei Eignung erhielten sie anschließend in den Firmen einen Arbeitsplatz nach dem Modell der Arbeitnehmerüberlassung.

Das erwies sich als Erfolg. Mit dem Projekt "Betreutes Arbeiten in Unternehmen" haben sie über 50 Werkstattbeschäftigte betrieblich integriert. Füngeling Router agiert dabei als Dienstleister der Werkstätten, der die Beschäftigten zuerst im Praktikum und, wenn eine geeignete Arbeit als ausgelagerter Werkstattarbeitsplatz gefunden ist, begleitet, unterstützt und qualifiziert. Füngeling Router vermittelt auch in sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse: rund 40 waren es bis Ende 2009.

Vor diesem Hintergrund entstand in Zusammenarbeit mit Thomas Geduhn ein Buch unter dem Titel "Das RouterPrinzip: ein Leitfaden, den man von beiden Seiten lesen kann". Anschaulich erläutert er für junge Menschen, wie Router sie auf dem Weg in Arbeit unterstützt. Und er wirbt bei Unternehmern um die grundsätzliche Bereitschaft, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen, und erklärt die Router-Begleitung beim Er- Finden eines Arbeitsplatzes und der Beschäftigung und Qualifizierung im Betrieb.

Dieses Buch und das komplette Programm des Medienversands von 53° NORD finden Sie hier.

 

53° NORD-Service

Foto

Nützliche Links zur beruflichen Teilhabe

www.forum-lichtblick.ch

Das Forum Lichtblick aus Chur in der Schweiz war für die 53° NORD Newsletter-Redaktion die angenehmste Entdeckung seit dem Erscheinen des Magazins Ohrenkuss.

Eine schlicht gehaltene Schwarz-Weiß-Seite mit Bildern, Fotos, Tondokumenten und Texten von Menschen mit und ohne Behinderung. Alle acht Wochen wechselt das Thema. Aktuell geht es um die Schule, demnächst um die Familie, das Archiv enthält alle älteren Beiträge und in der Wundertüte findet man "alles, was sonst noch wichtig ist".

Und weil’s so schön ist, hier ein Text zum Thema Schule von Georg Paulmichl:

Lehrer

Der Lehrerberuf ist ein unheimlicher Job.
Die Schüler werden geprüft, geübt, beaufsichtigt und manchmal auserkoren.
Um Lehrer zu werden, muss man zuerst die Fahrschule machen, dann die Stirn runzeln.
Manche Schüler haben eine fürchterliche Angst, es zittern ihnen nur so die Knie.
Die Lehrer wissen alles, sie sind unglaublich und unfehlbar.
Manche Schüler singen die erste Stimme, manche die zweite und manche die fünfte.
Die Lehrerinnen haben eine höfliche Niedertracht und radieren die Hefte aus, dass sie blitz und blank sind.
Ein sauberes Heft ist eine Erfüllung für den Geist.
Die Lehrer sind von den Landeshauptmännern berufen, aus den Schülern Menschen zu machen.
Der Lehrer lenkt die Gedanken im Kopf herum, dass es nur so rauscht.
Manche Lehrer sind Wüstlinge und Knallköpfe.
Jesus hat gesagt, du sollst kein falsches Zeugnis machen.
Die Schüler müssen aufspringen und guten Morgen durch die Klasse heulen.
Bei den Ohren geht’s hinein, bei den Ohren geht’s hinaus, das ist der Lebenslauf.

 

53° NORD intern

Foto Axel Nordmeier

"Ganz nah dran." So lautet der neue Slogan von 53° NORD.

Entstanden ist er aus der Einschätzung von KLARER-KURS-Lesern zu den Portraits unseres Fotografen Axel Nordmeier.

Nah an den Menschen und nah an den Themen zu sein, über die wir berichten, beides war von Beginn an unsere Absicht. 53° NORD bringt dafür gute Voraussetzungen mit: Wir sind Teil einer Werkstatt. Angesiedelt sind wir in einem Betrieb für Menschen mit psychischen Behinderungen. Die sind für uns tätig in der Abonnenten- und Teilnehmerverwaltung, in der Rechnungstellung, im täglichen Kundenkontakt.

Die berufliche Vorerfahrung der 53°-NORD-Mitarbeiter macht sie zu ausgewiesenen Experten in den Themen der beruflichen Teilhabe. Beispiel: der Fotograf Axel Nordmeier.

"Nach dem Abitur habe ich meinen Zivildienst in einer Wohngruppe der heutigen Evangelischen Stiftung Alsterdorf absolviert. Für die Alsterdorfer fotografiere ich seit mehr als zehn Jahren im Wohn- und Arbeitsbereich. Auch für die Elbe-Werkstätten war ich vielfach tätig und ich arbeite von Beginn an für das Magazin KLARER KURS."

 

Herzliche Grüße vom 53. Breitengrad

53° NORD Agentur und Verlag
Ein Geschäftsbereich der Elbe-Werkstätten GmbH

Behringstraße 16a
22765 Hamburg
Telefon: 040 – 414 37 59 88

Mail: info@53grad-nord.com
Internetpräsenz: www.53grad-nord.com