Teilhabe 2020
Armin Fink - Projektberater des Projektes VAmB der BAG BBW; ehemaliger Geschäftsführer des Berufsbildungswerkes CJD Offenburg und Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Berufsbildungswerke; von 1994 bis 2004 Mitglied im "Ausschuss für Fragen behinderter Menschen" beim Bundesinstitut für berufliche Bildung; von 1998 bis 2006 Mitglied im "Beirat für Teilhabe" beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales
Chancen durch demografische Entwicklung
Wie entwickeln sich die Chancen für den Personenkreis von Menschen mit Behinderungen auf dem Arbeitsmarkt? Diese spannende Frage ist unter der Beachtung der demographischen Entwicklung unserer Gesellschaft und der technologischen Entwicklung der Unternehmen zu beantworten. Auf Grund der demografischen Entwicklung stehen in den nächsten Jahren deutlich weniger Absolventen der allgemein bildenden Schulen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung. Ein erheblicher Fachkräftemangel ist absehbar, der nicht alleine durch Zuwanderung abzudecken ist. Dies bietet Menschen, die auf Grund ihrer Behinderung einen erschwerten Zugang zum Arbeitsmarkt haben neue Chancen zur Teilhabe. Dem gegenüber steht die Sichtweise, dass die fortschreitende technologische Entwicklung und damit verbunden höhere Anforderungen an die Qualifikation, diesem Personenkreis, den Zugang zusätzlich erschweren. Wir erfahren aber heute schon, dass immer auch Tätigkeiten einfacherer Art in Betrieben, insbesondere im einfachen Dienstleitungssektor entstehen, in denen unser Personenkreis hineinwachsen kann.
Es stellt sich also die Frage, wie wir diese Chancen nutzen und wie die Teilhabe zu gestalten ist. Um sie nutzen zu können, ist künftig die Aus- und Weiterbildung in die Arbeitsprozesse der Betriebe hinein zu verlagern. Betriebe müssen die Zugänge erleichtern, die Einrichtungen sich stärker öffnen. Projekte mit einer Verzahnung der Ausbildung gewinnen eine größere Bedeutung, Ausbildungsgänge, die im Betrieb erfolgen und extern von speziellen Bildungseinrichtungen unterstützt werden. Es geht um eine optimale Verzahnung von betrieblichem und außerbetrieblichem unterstütztem Lernen. Dabei wird die außerbetriebliche Ausbildung, mit ihren speziellen behinderungsspezifischen Kenntnissen und Erfahrungen m. E. weiterhin notwendig sein. Sie ist quasi der Türöffner für behinderte Menschen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Dasselbe gilt für Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Eine besondere Bedeutung kommt einer frühzeitigen Diagnostik zu. Sie ermöglicht die gezielte Förderung und Entwicklung der Kompetenzen für das Arbeitsleben und den gezielten Einsatz von Förderinstrumenten und Mitteln. So werden spezielle Einrichtungen wie Werkstätten auch auf Dauer nicht überflüssig. Sie müssen sich aber öffnen, ihre Angebote mit der Arbeitswelt verzahnen, um mehr Vermittlungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Das Persönliche Budget wird in diesem Zusammenhang eine zunehmende Rolle spielen, wenn die Anfangsprobleme des Zugangs bei den betroffenen Menschen und bei den Trägern überwunden sind und die Finanzierung einer begleitenden Beratung für behinderte Menschen gelöst ist. Dadurch wird eine größere Teilhabe für Menschen mit Behinderung ermöglicht. Für die Bildungsträger bedeutet die verstärkte Nutzung des Persönlichen Budgets eine Neustrukturierung ihrer Angebote. Sie müssen individueller gestaltet werden, d. h. stärker auf die Person und den Anforderungen des Arbeitsmarktes zugeschnitten sein. Bei Fortschreitung dieses Prozesses werden neue Anbieter auf den Markt kommen, ohne dass sie die traditionellen Anbieter verdrängen. Der Wettbewerb wird zu mehr Lösungen und zu einer stärkeren Individualisierung führen.


