WfbM - Keine Förderung mehr
durch Aktion Mensch?

Übersicht

Gespräch mit Friedhelm Peiffer, Aktion Mensch
KLARER KURS: Das neue Magazin
Neue Wege für Menschen mit Behinderung: Gebrauchskunst trifft Werbung
53°NORD Service: Nützliche Links
Fortbildungsseminar: Wie gut sind Sie in Akquise?
Neu in der Online-Buchhandlung

 

 

Liebe Leserinnen und Leser,

Foto Friedhelm Peiffer

seit 1.1.2010 gelten neue Förderrichtlinien bei Aktion Mensch und seitdem kursieren allerlei Gerüchte über angebliche Folgen in der Werkstatt-Landschaft, allen voran solche wie "Aktion Mensch fördert keine WfbMs mehr".

Um die Gerüchteküche kalt zu stellen, hat die Redaktion von KLARER KURS bei Friedhelm Peiffer, dem Leiter des Bereichs Förderpolitik der Aktion Mensch, nachgefragt, was nun den Tatsachen entspricht.

Lesen Sie hier vorab das Interview, das wir in der neuen Ausgabe von KLARER KURS (1/2010) veröffentlichen:

KLARER KURS: Herr Peiffer, seit 1.1. 2010 gelten veränderte Förderrichtlinien bei Aktion Mensch. Warum?

FRIEDHELM PEIFFER: In den letzten zwölf Jahren konnten wir durch unsere Lotterie den Umsatz als auch den Zweckertrag, der für die Förderung zur Verfügung steht, verfünffachen und unsere Förderung inhaltlich wie materiell enorm ausdehnen. Zugleich aber ist die "Halde" der nichtbewilligten Anträge enorm gestiegen. Im Moment haben wir nichtbewilligte Anträge in Höhe von 350 Mio. Euro. Das hängt damit zusammen, dass die öffentliche Hand sich in den letzten Jahren ganz stark aus der Finanzierung von Einrichtungen, bei denen ein gesetzlicher Refinanzierungsanspruch besteht, zurückgezogen hat: Also Wohnstätten und Werkstätten für Menschen mit Behinderung.

KLARER KURS: Warum spielt die öffentliche Refinanzierung bei Aktion Mensch eine so große Rolle?

FRIEDHELM PEIFFER: Oberstes Förderprinzip der Aktion Mensch ist das Nachrang-Prinzip. Wir sind kein Kostenträger, sondern eine privatgemeinnützige Förderorganisation. Aktion Mensch kann und will den Ausfall öffentlicher Mittel nicht kompensieren. Wir müssen uns auf das konzentrieren, was nicht öffentlich zu refinanzieren ist, denn diese Organisationen erfahren im Grunde gar keine Unterstützung. Wir werden dort gebraucht, wo Neues auf den Weg gebracht werden muss, wo es um Maßnahmen für Betroffene geht, die sich gesetzlich gar nicht wieder finden. Und die müssen wir auch zeitnah bedienen können.

KLARER KURS: Sollen Werkstätten gar nicht mehr gefördert werden?

FRIEDHELM PEIFFER: Nein, so stimmt das natürlich nicht. Aber aus einigen Bereichen ziehen wir uns tatsächlich zurück: Zum Beispiel haben wir die (Bau-)Investitionen von Werkstätten in Westdeutschland mit Zinszuschüssen gefördert. Diese Förderung gibt es nicht mehr, weil die Werkstätten gesetzlich zu refinanzieren sind und weil sie eigene Erlöse durch ihre Produkte und Dienstleistungen erzielen.

Wir schauen hin und fragen: Wo werden wir am dringendsten gebraucht und wer kann sich selbst helfen? Und so ziehen wir uns aus der Finanzierung von Werkstätten in Ostdeutschland bis zum 31.12.2010 ebenfalls ganz zurück, was die Investitionen angeht – und nur die sind gemeint (Bauinvestitionen beispielsweise).

KLARER KURS: Welche Projekte aus Werkstätten haben denn noch eine Chance auf die Impuls-Förderung durch Aktion Mensch?

FRIEDHELM PEIFFER: Weiterhin werden wir Werkstätten behilflich sein, die über den originären Werkstattauftrag hinaus Projekte wie Integrationsfirmen aufbauen. Das ist ein Innovationsbereich, in dem wir besonders am Anfang gebraucht werden.

KLARER KURS: Integrationsfirmen zu gründen, ist ja nun nicht das originäre Aufgabengebiet der Werkstätten…

FRIEDHELM PEIFFER: …Sicher nicht und wir schätzen die Leistung der Werkstätten überhaupt nicht gering, das ist ein wichtiges und unverzichtbares Angebot, das am Markt gebraucht wird und von den Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen gewollt ist. Aber genauso wichtig ist, dass wir Bereiche haben, in denen von vornherein integrativ gearbeitet wird, in denen Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam arbeiten.

Und letztlich ist es eine Mittelfrage: Es macht keinen Sinn, sich vielen anzubieten, und dann wird man von einer Welle überrollt und muss die Mittel so strecken, dass die Anträge vielleicht nach fünf Jahren bewilligt werden, aber das hilft dann keinem mehr. Man muss hier Weitsicht zeigen und sich deshalb ein Stück weit konzentrieren.

KLARER KURS: Herr Peiffer, vielen Dank für das Gespräch!

 

Der neue KLARER KURS ist in der Auslieferung!

Foto KLARER KURS

Themen unter anderem:

Bildung

  • Das Berufsförderungswerk Düren qualifiziert sehbehinderte Frauen zu Medizinischen Tastuntersucherinnen (MTU) in der Brustkrebsfrüherkennung.
  • Mit dem Gruppenprogramm ZERA des Rudolf-Sophien-Stifts Stuttgart schreiben die Teilnehmer und Teilnehmerinnen ihre eigenen Rehabilitationsprogramme.

Arbeit

  • Das Behindertenzentrum Stuttgart e.V. (bhz) behauptet sich seit 35 Jahren mit einer Eigenmarke im Markt der Medizintechnik.
  • Die Reha-Werkstatt Ost des Behindertenwerks Main-Kinzig e.V. entwickelt eine neue Geschäftsidee: Fotobücher für PC-Laien.

Entwicklung

  • Eine Werkstattgruppe organisiert ihre Arbeitsprozesse eigenständig nach dem Teamprinzip.
  • Die Hamburger Werkstatt betrachtet Förderung als Personalentwicklung, legt die Dokumentation in die Hände der Werkstattbeschäftigten und stellt die wöchentlichen Arbeitsgespräche in den Mittelpunkt ihres Konzepts.

Probelesen

Einen eigenen Eindruck vom neuen Heft können Sie sich in der Online-Leseausgabe verschaffen.

Für weitere Informationen und zum Abonnieren gehen Sie bitte auf unsere Abo-Seite.

 

Neue Wege … Kunst trifft Werbung

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Neue Wege beschreitet das Grafikatelier "WERKstattARBEIT" der Dortmunder AWO-Werkstatt, das das Thema Werbung als Arbeitsfeld für Menschen mit Behinderung eröffnet: Aus einem Kunstprojekt entstand der neue Bereich "Malerei und Grafik", der jetzt mit dem Kooperationspartner, der Agentur für Werbung – Drei Elemente, in einer festen Partnerschaft zusammengeht.

Die Idee dahinter: Werke und Entwürfe von Künstlern mit Behinderung in der Werbung zu platzieren. "Wir wollen zeigen, dass Menschen mit Behinderung hervorragende Beiträge und Ideen liefern – auch im harten Geschäft der Werbung", erläutert der Atelierleiter Claus Lobenstein den Hintergrund der neuen Geschäftsidee.

Mit den Einnahmen aus der Werbebranche soll zudem das Arbeitseinkommen der beteiligten MitarbeiterInnen gesteigert werden. Das Projekt stellt sich der Fachöffentlichkeit auf der Werkstättenmesse in Nürnberg vor.

Ebenfalls in die Richtung Gebrauchskunst zielt der "Designpreis für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung", der 2009 zum ersten Mal von Eucrea Deutschland e.V. in Kooperation mit ALLERHAND Kreative Werkstatt der Gemeinnützigen Werkstätten Köln GmbH ausgelobt wurde.

249 Künstler haben sich an der Ausschreibung beteiligt, und vom 1. bis 12. März sind die Objekte der Preisträger in einer Ausstellung in der Galerie der Villa, Friesenweg 5c, in Hamburg, zu sehen.

 

53° NORD-Service

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Nützliche Links zur beruflichen Teilhabe

In dieser Woche haben wir wieder einige Links zu Webseiten unterschiedlicher Organisationen zusammengestellt, unter denen Sie gut aufbereitete Informationen und interessante Materialien für Ihre tägliche Arbeit finden.

www.myhandicap.de

Hinter diesem provokativen Namen verbergen sich Infos, Adressen und ein Forum für Menschen mit Behinderung, in dem Fachexperten wie Sozialpädagogen und Psychologen, oft auch mit eigener Behinderung, beraten. Im Menüpunkt Info findet sich der Bereich Ausbildung & Beruf, aufgeteilt in die Kategorien Arbeitsuchende, Arbeitgeber und Jobbörse.

  • Jugendliche mit Behinderung, die eine Ausbildung suchen, finden hier zuständige Institutionen und dazu Links, die weiterhelfen.
  • Arbeitsuchende mit Behinderung bekommen allgemeine Bewerbungstipps und Klärung zu behindertenspezifischen Fragen.
  • Arbeitgeber hingegen erhalten Informationen etwa zu staatlichen Fördermöglichkeiten bei der Einstellung eines Mitarbeiters mit Behinderung.
  • In der Jobbörse finden sich aktuelle Stellenangebote

Der Internet-Auftritt ist hochaktuell, mehrfach interaktiv, und man kann auf Facebook Fan der internationalen Stiftung MyHandicap werden, deren Schirmherr übrigens Bill Clinton ist.

http://www.behinderten-ratgeber.de/

Der Behinderten-Ratgeber e.V. ist bemüht, Menschen mit Behinderung mehr Aufmerksamkeit und Akzeptanz zu verschaffen und sie dabei zu unterstützen, soziale Ausgrenzungen zu überwinden. Seit 2001 wird ein Internet-Portal für behinderte Menschen aufgebaut, das heute eines der größten seiner Art in Deutschland ist. Das Portal bietet Links zur beruflichen Integration Behinderter (Berufsförderungswerke und Berufsbegleitende Dienste), zu Bildungs- und Beratungszentren, Hochschulführern, Selbsthilfeorganisationen für Behinderte im Studium, Vereinen und vieles mehr.

http://www.erzwiss.uni-hamburg.de/soda/

Die Sonderpädagogischen Datenbanken (SoDa) gehen auf eine Initiative des Fachbereichs Erziehungswissenschaft der Universität Hamburg zurück und gliedern sich in Teildatenbanken: SoLi - Sonderpädagogische Literatur, SoLex - Sonderpädagogisches Lexikon, SoLinks - Sonderpädagogische Links, SoHaus - Sonderpädagogische Hausarbeiten, SoTest - Sonderpädagogische Tests und SoText - Sonderpädagogische Texte. Die SoDa ist besonders hilfreich, wenn man auf der Suche nach sonderpädagogischer Literatur ist.

Die komplette Liste nützlicher Links für Ihre Arbeit finden Sie auf unserer Internetpräsenz unter "Vernetzung".

 

Aus unserem Veranstaltungsprogramm

Erfolgreich Aufträge akquirieren

Erfolgreich Aufträge akquirieren – für Produktion und Dienstleistung

Wie kann ich erfolgreich neue Aufträge für mein Unternehmen / meine Arbeitsgruppe akquirieren? Sie wollen alte und gewohnte Pfade hinter sich lassen und noch einmal ganz neu denken, die Basis Ihres Handelns überprüfen? Sich also Fragen stellen wie: Was genau bieten wir wem genau eigentlich an? Und wozu? Mit welchem Mehrwert für beide Seiten? Wollen unsere potenziellen Kunden überhaupt, was wir als verkaufbare Leistung definiert haben? Und wenn das WAS und WEM geklärt ist: Wie kommunizieren wir unsere Leistungen und Stärken? Wie lauten unsere Kernaussagen und wie erreichen wir, dass unser Ansprechpartner tatsächlich den Auftrag erteilt? Dann sind Sie in unserem Intensivseminar zum Thema Akquise genau richtig!

Was das Intensivseminar bietet:

Von der kreativen Ideenfindung für neue Geschäftsfelder über die Zielgruppendefinition bis hin zum erfolgreichen Verhandeln mit dem zukünftigen Kunden wird mit vielen praktischen Übungen alles behandelt, was die Auftragssituation der WfbM und der Integrationsfirma verbessern und stärken kann und attraktive Arbeit für Menschen mit Behinderung schafft.

  • Ideenfindung
  • Produkt / Dienstleistungsdefinition
  • Zielgruppen definieren
  • Marktforschung light
  • Argumentationsleitfaden
  • Einwandbehandlung
  • Verhandeln

Termin: Montag, 29. März 2010 ab 14 Uhr bis Dienstag, 30. März 2010 16 Uhr

Ort: Veranstaltungszentrum Rieckhof, Hamburg-Harburg (www.rieckhof.de)

Kosten: 290,- zzgl. MwSt.

Weitere Informationen und Anmeldung hier.

Alle Veranstaltungen von 53° Nord auf einen Klick finden Sie auf unserer Veranstaltungsübersicht.

 

NEU in der 53° Nord-Online-Buchhandlung

Buch Vom Betreuer zum Begleiter

Ulrich Hähner, Ulrich Niehoff, Rudi Sack, Helmut Walther

Vom Betreuer zum Begleiter

Eine Neuorientierung unter dem Paradigma der Selbstbestimmung

Wenn das Leitbild der Selbstbestimmung mehr zum Tragen kommen soll, muss sich die Rolle der Professionellen fundamental verändern. Das Begleitungshandeln wird sich daran orientieren müssen, welche Vorstellungen behinderte Menschen haben von den Formen der Hilfestellungen, die sie wünschen und wie Betreuer/Begleiter sich darauf einstellen sollen.

Von Fachleuten für Fachleute geschrieben, werden hier Veränderungsmöglichkeiten diskutiert, ergänzt durch Aussagen behinderter Menschen selbst, die in den Text des Buches eingestreut sind und seine Authentizität erhöhen.

256 Seiten, 6. durchges. Auflage, Marburg 2009
ISBN 978-3-88617-300-6
Preis inklusive MWSt.: € 15,00 zzgl. Versand

Zur Online-Bestellung

Zum Gesamt-Angebot des Verlags kommen Sie hier.

 

Herzliche Grüße vom 53. Breitengrad

53° NORD Agentur und Verlag
Ein Geschäftsbereich der Elbe-Werkstätten GmbH

Behringstraße 16a
22765 Hamburg
Telefon: 040 – 414 37 59 88

Mail: info@53grad-nord.com
Internetpräsenz: www.53grad-nord.com