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53° NORD - Agentur und Verlag

Trendwende in der Werkstattarbeit

Die Themen dieses Newsletters
  1. Werkstätten: Öffnung in die Gemeinde
  2. Werkstätten: Nur eine Option
  3. Unterstützerkreise: Wie sie funktionieren
  4. Zu guter Letzt: Paulmichl!
Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Wilfried Hautop, der langjährige Geschäftsführer der Werkstatt Bremen, packt seine Grundüberzeugung auf seine bekannt trockene Art in den Satz: „Wir müssen auf den Marktplatz. Da sind sie alle.“ Die Werkstatt Bremen ist seit vielen Jahren Vorreiter in Sachen Gemeindeorientierung. Bremer Werkstattmitarbeiter waschen beispielsweise die Fahrzeugflotte der Polizei, reinigen das Weserstadion, betreiben einen Laden auf dem Flughafen, pflegen die Außenanlagen von Bremer Kliniken und arbeiten für die Jacobs University. Besonders erfolgreich ist eine mobile Prüfgruppe für elektrische Betriebsmittel. Knapp 20 Prozent der Werkstattbeschäftigten arbeiten in Bremen schon außerhalb der Werkstattgebäude.

Nicht nur im Norden öffnet man sich mit seinen Arbeitsangeboten in Richtung Gemeinde. Auch die Mainfränkischen Werkstätten in Würzburg orientieren sich nach außen. Eine ganze Palette gemeindeorientierter Arbeitsplätze haben die Würzburger bereits im Angebot. Sie unterhalten einen eigenen Tierpark mit 35 Werkstattarbeitsplätzen, ihre Garten- und Landschaftspflege ist an vielen Standorten der Stadt präsent, der Küchenbereich liefert 3.500 Essen pro Tag und versorgt Schulen und Kindergärten. Hinzu kommen Cafés, Lebensmittelmärkte, eine Spülküche bei IKEA, ein Imkerei-Zentrum. Auch mit dem Thema betriebsintegrierter Einzelarbeitsplätze ist die Werkstatt erfolgreich, speziell, seitdem sie das Konzept von INTEGRA Mensch in Bamberg übernommen hat. Die Integrationsfirmen der Mainfranken sind in der Landschaftspflege, in der Gebäudereinigung und im Cateringbereich tätig. Ihr renommiertes Theaterensemble Augenblick verfügt über eine eigene Spielstätte. Seine Vorstellungen sind fast zu 100 Prozent ausgelastet und es hat bereits den Kulturpreis der Stadt gewonnen. Die werkstatteigene Inklusionsband Mosaik bringt es auf 30 Auftritte pro Jahr, dazu kommen Fernsehengagements und schon drei CDs. Sozialdienstleiter Michael Wenzel: „Wir sind in der Öffentlichkeit auf Schritt und Tritt präsent. Auf vielen Ebenen arbeiten wir direkt mit der Stadt zusammen, haben uns ein Image als Problemlöser erarbeitet und unser Image sehr aufpoliert. Unsere Arbeitsplätze sind vielfältig und attraktiv.“ Die Würzburger geben sich selbstbewusst: „Nach 40 Jahren Gemeinwesenarbeit sind wir in unserer Region kaum zu verdrängen. Der künftige Wettbewerb auf dem Reha-Markt ängstigt uns nicht.“

Die Historie der Werkstätten in Deutschland hat dazu geführt, dass sie überwiegend als Industriezulieferer aufgestellt sind. Bremen und Würzburg stehen für eine Trendwende. Sie ergänzen das klassische Werkstattangebot mit gemeindeorientierten Arbeitsmöglichkeiten, suchen Partnerschaften, verstehen sich als Dienstleister, der der Region etwas zu bieten hat. Diese Wende schafft mehr Inklusion, eine größere Vielfalt, mehr Bekanntheit, ein positives Image und eine höhere Attraktivität bei Werkstattberechtigten. Wilfried Hautop sagt es so: „Eine Werkstatt muss einfach in der Stadt verankert sein. Wir wollen, dass behinderte Menschen für alle Bewohner sichtbar sind.“

Wer mehr über die Öffnung in Bremen, Würzburg und anderswo und deren positive Auswirkungen erfahren möchte, hat dazu auf einer Tagung von 53° NORD die Gelegenheit. Unter dem Titel „Arbeiten in der Gemeinde - Sozialraumorientierung von Werkstätten“ findet sie am 13. und 14. November 2017 in Bremen satt. Mehr Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

Neu in unserem Veranstaltungsprogramm

Werkstatt ist nur eine Option
Konzepte und Praxiserfahrungen zur Berufsvorbereitung von Schülern

Cover Veranstaltung

Wie eröffnet man Schülerinnen und Schülern aus Förderschulen den Weg in den allgemeinen Arbeitsmarkt? Wie durchbricht man den Automatismus des Übergangs in die Werkstatt für behinderte Menschen, schafft Wahlmöglichkeiten und bietet ihnen

Und außerdem noch ...

Die Kantine im Fokus - neue Wege in der Praxis?
Tagung für Fachverantwortliche aus dem Küchenbereich

Cover Veranstaltung

Die Lebenshilfe Gießen punktet mit ihrer neuen Großküche. Getreu dem Motto "LiLo - einfach besser, einfach anders" wird das Konzept sowie dessen Umsetzung dargestellt und erläutert.

Aus unserem Medienversand

Sandra Fietkau
Unterstützer*innenkreise für Menschen mit Behinderung im internationalen Vergleich

Cover Buch

Wie funktionieren Unterstützerkreise für Menschen mit Behinderung? Was muss vorbereitet und bedacht werden? Dieses Buch gibt einen Überblick über diesen Ansatz und untersucht das Phänomen in vier verschiedenen Ländern.

Die Idee der Unterstützerkreise für Menschen mit Behinderung kommt ursprünglich aus Kanada, verbreitete sich dann über die USA und England nach Deutschland. In dem Buch von Sandra Fietkau untersucht die Autorin Unterstützerkreise und die Situation von Menschen mit Behinderung in diesen vier Ländern. Ebenfalls gibt sie Empfehlungen für Vorbereitung, Durchführung und Begleitung solcher Gruppen. Zentrales Element der Arbeit sind acht Kriterien für die Qualität von Unterstützerkreisen, die sowohl in der Praxis als auch in Theorie und Lehre hohe Relevanz haben.



Zu guter Letzt: Paulmichl!
Buchcover Georg Paulmichl

Der Herbst ist da, draußen wird‘s fröstelig, da rückt die Familie im heimeligen Haus zusammen. Nicht so bei Georg Paulmichl, er betrachtet Familie anders und bemerkt spitz: Familie sei abendliches Streiten um die „Zappe“ und finde ohne ihn statt, mit Verlaub …: „Ich bin kein Familienanhang, ich bin ein Künstler.“ Viel Vergnügen!