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Liebe Leserinnen und Leser!
Unterstützte Kommunikation ist in Werkstätten und Tagesstätten noch immer ein unterschätztes Thema. Dabei betrifft sie zentrale Rechte von Menschen mit schweren und mehrfachen Behinderungen auf Kontakt, Austausch, Selbstbestimmung und Teilhabe.
Deren Kommunikation verläuft häufig nicht über Lautsprache oder etablierte Gebärden. Stattdessen zeigt sie sich in sehr individuellen Ausdrucksformen, etwa in Veränderungen der Muskelspannung, Blickbewegungen, Atemrhythmen, Lautierungen oder minimalen Bewegungen. Diese Signale sind nicht standardisiert. Sie erschließen sich nur durch aufmerksame, fachlich fundierte Wahrnehmung.
Die Herausforderung liegt meist nicht im fehlendem Mitteilungswillen der Person. Der ist deutlich vorhanden. Schwierig ist es, Kommunikation zu erkennen, richtig einzuordnen und angemessen zu beantworten. Im Arbeitsalltag geschieht dies oft unter Zeitdruck und innerhalb fester Abläufe.
Viele Missverständnisse entstehen genau hier. Wegdrehen wirkt wie Ablehnung, meint aber Überforderung. Laute erscheinen störend, sind Kontaktangebote. Erhöhte Muskelspannung wird als Unruhe interpretiert, signalisiert jedoch Erwartung. Geschlossene Augen bedeuten nicht Rückzug, sondern Konzentration. Kommunikation findet also statt, sie muss nur als solche erkannt werden. Wissen, Haltung und bewusst gestaltete Kommunikationssituationen helfen, in den gegebenen Rahmenbedingungen professionell handlungsfähig zu bleiben
Unterstützte Kommunikation ist also mehr als ein „Übersetzungstool“, es ist ein professionelles Handlungskonzept. Sie stärkt Mitarbeitende in ihrer Rolle als KommunikationspartnerInnen, ermöglicht das Verstehen individueller Signale, beinhaltet basale Kommunikation, Modelling, geeignete Kommunikationsformen und Hilfsmittel sowie personenzentrierte Maßnahmen für Orientierung, Mitbestimmung und Verständigung.
Wie sich das im Alltag umsetzen lässt, zeigen Simone Kreitenweis, Gisela Wegner und Roberto Hahn von der Tagesförderstätte Perspektive der Stiftung Pfennigparade in einem dreistündigen Online-Seminar von 53° NORD am 25. März 2026. Ihre Themen sind die fachliche Einordnung kommunikativer Ausdrucksformen, die Rolle der KommunikationspartnerInnen und konkrete Schritte zum Aufbau individueller Kommunikationsangebote, auch unter realistischen Arbeitsbedingungen.
Das Seminar richtet sich an Fachkräfte aus Tagesförderstätten, Werkstätten, Wohneinrichtungen, Schulen und ambulanten Diensten sowie an Angehörige und TherapeutInnen.
Wenn Sie die Verständigung mit stark kommunikationseingeschränkten Beschäftigten verbessern und professionell gestalten möchten, laden wir Sie herzlich zur Teilnahme ein.
Mit freundlichen Grüßen Ihr Team von 53° NORD
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