53° NORD Agentur und Verlag

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Der Kämpfer mit Charme, verbindlich und fair

Wolfgang Schrank

Wolfgang Schrank gehörte zu den herausragenden Persönlichkeiten der deutschen Werkstattszene.

Über 40 Jahre lang zeichnete er verantwortlich für die beruflichen Angebote für Menschen mit psychischer Behinderung des Frankfurter Vereins.

 

 

Er war Vorsitzender der LAG WfbM Hessen und der GDW Hessen-Thüringen. Und er war beteiligt an der Rettung von  53° Nord im Jahr 2013, indem er der Veranstaltungsagentur ein neues Dach bei der GDW in Kassel verschaffte.

Am 1. März 2018 ist Wolfgang Schrank unerwartet verstorben.

Wolfgang Schrank war ein bekennender Linker, der seinen Bürotag regelmäßig mit der Lektüre der FAZ begann. Dieser scheinbare Widerspruch steht sinnbildlich für seine Grundhaltung. Er ließ sich nicht in Schubladen zwängen, wich ab von ausgetretenen Pfaden, bildete sich seine eigene Meinung. Er war antikapitalistisch, aber noch mehr antibürokratisch. Seine Lieblingsbotschaft: Lasst Euch nicht durch Verwaltungsvorschriften davon abbringen, das zu tun, was Ihr für richtig haltet. Wenn man von etwas überzeugt ist, findet sich immer ein Weg.

Und er lebte diese Überzeugung vor:

  • Beispiel Einhaltung der BBB-Zeit: „Nur dann, wenn es dem Betreffenden nützt und er sich dafür entscheidet.“
  • Beispiel Lohnzahlungen im BBB: „Selbstverständlich, wenn die Person Leistung in der Produktion erbringt.“
  • Beispiel Anrechnungen von Weihnachtsgeldzahlungen bei der Sozialhilfe: „Frankfurt hat sich überzeugen lassen, dass Rückforderungen demotivierend und viel zu aufwendig sind.“

Wolfgang Schrank war ein entschiedener Vertreter des Werkstattgedankens, allerdings einer Werkstatt, die die Beschäftigten als normalen Betrieb empfinden können. Er gilt als der Erfinder des hessischen Konzepts der „Agentur für angepasste Arbeit“, das besagt: Die Werkstatt muss Vielfalt bieten und alle Möglichkeiten beruflicher Teilhabe ausschöpfen. Mit dem Frankfurter Verein realisierte er diese Leitidee beispielhaft, von Tagesstätten bis zu Integrationsbetrieben. Der Fokus lag dabei auf gemeindeintegrierten Arbeitsmöglichkeiten und Dienstleistungen, etwa im Grünbereich, in der Gastronomie oder bei der Deutschen Bank.

Wolfgang Schrank stammte aus Niederbayern, absolvierte nach der mittleren Reife eine Lehre als Maschinenbauer, holte im rebellischen Frankfurt der frühen 70er Jahre in Abendkursen sein Abitur nach und landete - eher durch Zufall - im Arbeitsfeld Gemeindepsychiatrie. Für den Frankfurter Verein für soziale Heimstätten baute er, lange bevor dies üblich wurde, eine Spezialwerkstatt für psychisch Erkrankte auf. Dieses Thema ließ ihn sein Leben lang nicht mehr los, auch wenn seine Lederjacke irgendwann den legeren Pullovern und seine langen Haare einem Kurzhaarschnitt wichen.

Wolfgang Schrank war ein Praktiker, ein Macher, ein Strippenzieher, einer, der auf vielen Hochzeiten tanzte. Er war ein Kämpfer, aber einer mit Charme, verbindlich, fair. Jemand, der streiten konnte, ohne Brücken abzubrechen. Er vertrat entschieden seine Überzeugung, aber er hörte auch zu. Ohne üppige Finanzausstattung führte er ein Projekt nach dem andern zum Erfolg. Er suchte sich Partner ganz unterschiedlicher Art: In LAG und BAG, in der Gemeindepsychiatrie, im Landeswohlfahrtsverband, wo er die Fraktion der Linken anführte oder in der ZWST, der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland.

Mit seinem Grundoptimismus und seinem zupackenden Wesen war Wolfgang Schrank ein guter Chef, mit dem nötigen Selbstbewusstsein, aber ohne Arroganz und ohne Allüren. Er kannte die meisten seiner Mitarbeiter, mit und ohne Behinderung. Er nahm sich Zeit für Einzelprobleme, beriet, suchte nach individuellen Lösungen. Seine linke Grundüberzeugung lebte er in einem sehr persönlichem Einsatz für diejenigen, die schlechte Ausgangsbedingungen haben, für die Benachteiligten und Ausgegrenzten.

Wollte man nach einer Schwäche suchen, dann fände man sie vielleicht darin, dass das „System Schrank“ auf ihn zugeschnitten war und dass es für seine Nachfolger schwer sein wird, die vielen Fäden zu entflechten und aufzunehmen. Seinen Sitz in der Geschäftsführung des Frankfurter Vereins hat er vor Kurzem mit seinem Eintritt in den Altersruhestand abgegeben und sich auf die Leitung der Integrationsbetriebe konzentriert. Seiner Energie und seinem Schaffensdrang hat das keinen Abbruch getan - bis ihnen, mitten in seinen Aktivitäten und viel zu früh, ein Ende gesetzt wurde.

Mit uns, dem Team von 53° Nord, hat Wolfgang Schrank in den letzten fünf Jahren über die Fortentwicklung der beruflichen Teilhabe nachgedacht. Er hat mit uns Veranstaltungen geplant und Tagungen moderiert. Sein Tod trifft uns mitten im Alltag, unerwartet und schwer zu verarbeiten. Er wird uns sehr fehlen.


Wenn Sie, liebe Leser, Wolfgang Schrank persönlich kannten und ein paar Zeilen über ihn zu Papier bringen möchten, können Sie das auf unserer Erinnerungsseite tun.

 

 

KLARER KURS 1/2018

Für die erste Ausgabe KLARER KURS 2018 hat unser Redaktionsteam landauf, landab spannende Themen aus der beruflichen Teilhabe recherchiert und anschaulich aufbereitet. Wir sind beispielsweise in Nordrhein-Westfalen unterwegs und besuchen eine Koproduktion der Landschaftsverbände Rheinland und Westfalen-Lippe: Mit ihrem Programm STAR ebnen sie Jugendlichen mit Beeinträchtigung den Übergang in Ausbildung und Job.

Im Stehen, im Gehen, im Bus, im Supermarkt, am Frühstückstisch und auch beim Sport: Das Handy ist immer dabei und meist in Benutzung. Tablets und Smartphones sind schlicht das Kommunikationsmittel der jüngeren Generation. Doch wie steht es mit der Nutzung digitaler Medien im Schulunterricht? Nicht gut, denn Deutschland ist da definitiv Entwicklungsland. So einfach wollte das die Hamburger Arbeitsassistenz aber nicht gelten lassen und hat den Einsatz der neuen Medien im betrieblichen Berufsbildungsbereich ausprobiert. Ihr Fazit: gewinnbringend! Und über kurz oder lang wird es auch ein Thema für Werkstätten werden.

Ca. 80 000 Menschen erkranken jährlich an Verletzungen und Schädigungen des Gehirns und benötigen anschließend eine lebenslange Unterstützung: Strukturen für eine gute Nachsorge, die ihnen Lebensperspektiven und sinnvolle Beschäftigung bieten, gibt es bislang nur wenig. Auch die Werkstätten sind unzureichend auf diesen Personenkreis  eingestellt: Nur zehn Prozent arbeiten mit speziellen Konzepten wie die Hephata Werkstätten gGmbH in Mönchengladbach. Wir haben die Einrichtung besucht.

Werkstätten präsentieren sich selbstbewusst mit ihren hochwertigen Produkten einer breiten Öffentlichkeit und bieten sie dem einschlägigen Fachhandel an. Weil dessen Einkäufer vorzugsweise auf regionalen, nationalen und internationalen Ordermessen bestellen, sind Werkstätten dort ebenfalls anzutreffen. Wir wollten wissen, auf welchen Messen sie mittlerweile ausstellen, welche Erfahrungen sie dort machen und welche Konsequenzen sie daraus ziehen - und haben nachgefragt.

Mitten in der fünften Jahreszeit haben wir die Brauhaussitzung der inklusiven Karnevalsgesellschaft Gemeinsam Jeck in Düsseldorf besucht: Gemeinsam schunkeln ist viel schöner und öffnet obendrein der Werkstatt für angepasste Arbeit in der Landeshauptstadt viele Türen.

Außerdem besuchen wir die Evangelische Stiftung Alsterdorf, die ihr Privatgelände zum öffentlichen Raum, zum Zentrum des Stadtteils entwickelt hat. Und schauen bei den Künstlern des Atelierblau der Lebenshilfe Worms vorbei, die mit professionellen Künstlern unter einem Dach arbeiten. Also: Verpassen Sie bloß nicht die neue Ausgabe!

Hier kommen Sie zur aktuellen Ausgabe!

 

 

Und wenn Ihr KLARER KURS mal wieder ...

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Veranstaltungstipp

 

"Hier geht es um mich!" – Personenzentrierte Unterstützung und Persönliche Zukunftsplanung in der Praxis


Beim Entwickeln der eigenen Zukunftsperspektive – ganz gleich, ob beruflich oder bezogen auf die Wohn- und Lebenssituation – geht es darum, Wünsche und Visionen herauszufinden, das Machbare auszuloten, konkrete Umsetzungsschritte zu realisieren und Netzwerke zu aktivieren.

Die inklusive Fortbildung richtet sich an Fachkräfte, Menschen mit Behinderungen und Angehörige, die Grundlagen des personenzentrierten Ansatzes und der Persönlichen Zukunftsplanung kennenlernen und kreative Methoden für die Praxis ausprobieren wollen.

Durch Personenzentrierung und Persönliche Zukunftsplanung angestoßene Prozesse bewirken häufig nicht nur Veränderungen auf der Ebene der Person, sondern auch auf der Ebene von Diensten und Organisationen und des Gemeinwesens.

Termin: 04. und 05. Juni 2018
Ort: Kassel

Die Einzelheiten zur Tagung finden Sie unter Veranstaltungen.

 

 

In eigener Sache

Unser Medienversand zieht um! Deshalb können wir jetzt eingehende Bestellungen erst im Januar 2018 ausliefern. Wir bitten Sie dafür um Verständnis!

 

 

Neu im Medienvertrieb

Heinz Becker

... inklusive Arbeit!

Das Recht auf Teilhabe an der Arbeitswelt auch für Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf

Trotz aller Diskussion über Inklusion werden noch immer Menschen mit hohem Unterstützungsbedarf aus vielen gesellschaftlichen Bereichen ausgeschlossen, auch aus der Werkstatt für behinderte Menschen. Dass es auch anders geht, zeigt Heinz Becker fachlich begründet und an vielen Beispielen.

Mehr Informationen gibt es hier.

Zum Gesamtangebot des Verlags kommen Sie hier.

 

 

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Letzte Aktualisierung der Webseite am 19.04.2018