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Liebe Leserinnen und Leser!
Der Übergang psychisch erkrankter Menschen in Betriebe des allgemeinen Arbeitsmarkts gelingt nur einem verhältnismäßig kleinen Teil dauerhaft. Wo liegen die spezifischen Probleme für psychisch Erkrankte in der WfbM und wie kann man ihnen begegnen?
Ein zentrales Problem liegt im Übergang selbst. Auch gut vorbereitete Beschäftigte erleben den Wechsel in einen Betrieb als Bruch. Die Anforderungen steigen, der Tagesrhythmus ändert sich, die vertrauten Bezugspersonen fehlen, oft genau dann, wenn die psychische Stabilität schwankt. Wo die Begleitung nach dem Wechsel dünn wird oder ganz wegfällt, enden viele Arbeitsverhältnisse beim ersten Rückfall. Rund jede siebte Person, die den Sprung gewagt hat, kehrt schon früh in die Werkstatt zurück. Eine dauerhafte, verlässliche Begleitung auch nach dem Übergang ist deshalb kein Nice-to-have, sondern die entscheidende Stellschraube.
Stolpersteine liegen auch auf Seiten des Betriebs. Viele Arbeitgeber sind grundsätzlich offen, aber überfordert, wenn es konkret wird. Wie geht man mit häufigen Krankheitstagen um? Wer unterstützt, wenn eine Krise eskaliert? Was passiert, wenn die vereinbarte Leistung dauerhaft nicht erbracht werden kann? Fehlen betriebliche Ansprechpersonen, klare Absprachen und ein eingespieltes Krisenmanagement, ziehen Arbeitgeber im Zweifel die Reißleine. Erfolgreiche Übergänge entstehen dort, wo Fachkräfte diese Fragen proaktiv ansprechen, Betriebe aktiv begleiten und als verlässlicher Ansprechpartner auch nach der Vermittlung sichtbar bleiben.
Ausgelagerte Werkstatt-Arbeitsplätze bieten hier einen Vorteil: Die WfbM bleibt als Rückhalt präsent, Anforderungen können schrittweise angepasst werden, und die Rückkehroption nimmt Druck von beiden Seiten. Aber: Ohne klare Übergangsperspektive in ein Budget für Arbeit mit verbindlichen Meilensteinen bleiben ausgelagerte Plätze oft dauerhaft im Zwischenstatus, ein Arrangement, das den entscheidenden Schritt in Richtung erster Arbeitsmarkt nicht voranbringt und das viele Beschäftigte als unbefriedigend erleben.
Dazu kommt die sozialrechtliche Komplexität, die viele Interessenten zusätzlich lähmt: Was passiert mit der Erwerbsminderungsrente? Kann ich wirklich zurück in die Werkstatt, wenn es nicht klappt? Wer beantwortet diese Fragen verlässlich und frühzeitig genug, damit sie nicht zur unüberwindbaren Hürde werden?
Wie ein Übergang in der Praxis gelingen kann – von der ersten Vorbereitung über die Akquise passender Betriebe bis zur Stabilisierung im Arbeitsalltag –, ist Thema unseres Fachseminars am 4. und 5. Mai 2026 in Hamburg. Ulf Mauerhoff, Reha-Koordinator bei den Elbe-Werkstätten in Hamburg und erfahrener Jobcoach, vermittelt den TeilnehmerInnen praxisnahes Wissen und konkrete Werkzeuge für das Jobmatching, die Unternehmensansprache, den Umgang mit Krisen und die anspruchsvolle Doppelrolle zwischen KlientIn und Betrieb.
Kommen Sie nach Hamburg, bringen Sie Ihre Fragen und Ihre Praxis mit und gehen Sie mit neuen Impulsen und konkreten Ideen gestärkt in Ihren Werkstattalltag. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Austausch.
Und mit Blick zurück auf den just vergangenen internationalen Frauentag diese Woche im ein Beitrag „Für mehr Frauen in Führung.“
Ihr Team von 53° NORD
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