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Liebe Leserinnen und Leser!
Trotz der guten Arbeit, die WfbM leisten, bleibt häufig ein Problem: Sie sind zu wenig sichtbar, bleiben meist abseits der gesellschaftlichen Mitte. Diese Feststellung ist keine Kritik an dem, was Werkstätten tun. Sie beschreibt eine Situation, über die nachzudenken sich lohnt.
Der Impuls zur Öffnung kommt nicht so sehr von außen, er wächst in vielen Einrichtungen von innen. Denn Werkstätten, die sich mit ihrer Stadt und Region vernetzen, verändern ihr Selbstverständnis: Weg vom geschlossenen System, hin zum kommunalen Akteur. Daraus folgt. In Zeiten der Inklusion reichen vereinzelte Angebote nicht aus, Werkstätten müssen noch stärker inklusiv denken.
Ansätze für eine Öffnung gibt es viele: Werkstätten übernehmen Aufgaben im öffentlichen Raum: Grünpflege, Catering, Lieferdienste. Sie betreiben Cafés in der Innenstadt, Läden im Quartier oder starten gemeinsame Kulturprojekte. Wieder andere bauen Kooperationen mit Betrieben, Berufsschulen oder Integrationsfachdiensten auf und schaffen so Übergänge, die früher kaum denkbar waren. Was all diese Ansätze verbindet: Für die Bevölkerung wird erkennbar, dass Werkstattbeschäftigte Akteure, nicht Objekte öffentlicher Fürsorge sind.
Schaut man genauer hin, lassen sich drei Vernetzungsstrategien unterscheiden. Die sozialräumliche Öffnung will Präsenz im Quartier erreichen, Dienstleistungen für die Kommune und gesellschaftliche Teilhabe im weiteren Sinne. Die funktionale Öffnung zielt auf ausgelagerte Arbeitsplätze und Übergangsmanagement zum allgemeinen Arbeitsmarkt. Bei der systemische Öffnung geht es um Mitgestaltung: Beteiligung an kommunalen Inklusionsplänen, Mitarbeit in Steuerungsgremien, strategische Partnerschaften. Die wirkungsvollsten Konzepte verbinden alle drei Ebenen und begreifen Vernetzung nicht als Projekt, sondern als grundsätzliche Haltung.
Damit die Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen einer Öffnung nicht nur theoretisch bleibt, macht 53° NORD gute Praxisbeispiele erlebbar. Am 8. und 9. Juli 2026 präsentieren wir unter dem Titel „Gemeinsam Zukunft gestalten: Wie Werkstätten sich öffnen und sichtbar werden“ vier prämierte Projekte im ChancenHaus der Lebenshilfe Bad Kreuznach, das selbst exemplarisch für gelungene Öffnung und Sozialraumorientierung steht (siehe auch den Artikel im .) Die vier Projekte bilden den inhaltlichen Kern der Veranstaltung, in der Leitungskräfte und Fachverantwortliche über eigene Wege zu mehr Öffnung und Inklusion nachdenken. Konzipiert haben wir die Tagung gemeinsam mit dem Verein UN-Konventionell - Netzwerk für Sozialraum-Arbeit.
Wie immer wünschen wir Ihnen eine kurzweilige und erkenntnisreiche Lektüre.
Ihr Team von 53° NORD
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