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Liebe Leserinnen und Leser!
Werkstätten und andere Anbieter beruflicher Teilhabe stehen vor einer wachsenden Herausforderung: Zwar scheiden immer mehr Menschen aufgrund psychischer Erkrankungen aus dem Arbeitsmarkt aus, gleichzeitig gelingt es aber häufig nicht, diese Zielgruppe für bestehende Angebote zu gewinnen. Die Beschäftigtenzahlen in vielen Werkstätten für Menschen mit psychischer Erkrankung stagnieren oder gehen zurück.
Das Problem liegt häufig nicht allein in den Angeboten selbst, sondern darin, wie die Erkrankten die WfbM wahrnehmen. Viele Betroffene streben weiterhin eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt an, nehmen die WfbM jedoch als „Einbahnstraße“ wahr, aus der ein späterer Wechsel kaum noch möglich erscheint
Dabei werden die besonderen Stärken von Werkstätten oft unterschätzt. Für viele Menschen mit psychischer Erkrankung bieten sie langfristige Sicherheit: Ein dauerhaft finanziertes Angebot, einen verlässlichen Arbeitsplatz, ein Umfeld, das auch in Krisenzeiten trägt. Während viele Maßnahmen zeitlich begrenzt sind, steht die Werkstatt für Kontinuität, Zugehörigkeit und Tagesstruktur, unabhängig von Leistungsschwankungen oder Rückschlägen.
Hier zeigt sich ein zentraler Widerspruch: Werkstätten müssen sich sowohl als sicherer Ort als auch als Sprungbrett auf den allgemeinen Arbeitsmarkt präsentieren. Die eigentliche Stärke vieler Werkstätten liegt tatsächlich nicht in der Vermittlung, sondern in ihrer Fähigkeit, Menschen langfristig Halt zu geben. Werkstätten könnten diese Stärke als dauerhaft verfügbarer Arbeitsort deutlicher kommunizieren, flexible und personenzentrierte Angebote ausbauen sowie die Perspektiven von Psychiatrie-Erfahrenen stärker einbeziehen. Gleichzeitig müssen sie sich die Frage stellen, wie sie mehr Übergänge ermöglichen können, ohne den Wert langfristiger Teilhabe infrage zu stellen.
Genau diese Themen stehen im Mittelpunkt der Jahrestagung „Arbeit und Bildung für Menschen mit psychischer Erkrankung“ von 53° NORD am 7. und 8. Oktober 2026 in Kassel. Unter dem Titel „Zwischen Rückzug und Rückkehr – Wie (Werkstatt-)Arbeit Menschen mit psychischer Erkrankung neue Stabilität geben kann“ diskutieren Fachkräfte und Psychiatrie-Erfahrene aktuelle Herausforderungen, innovative Ansätze und konkrete Perspektiven für die Praxis.
Wer berufliche Teilhabe für Menschen mit psychischer Erkrankung zukunftsfähig gestalten will, findet hier Anregungen, Praxiswissen und Gesprächspartnerinnen und Gesprächspartner für die nächsten Schritte.
Mit herzlichen Grüßen
Ihr Team von 53° NORD
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