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Arbeiten mit Struktur statt Überforderung

Wie die Schleswiger Werkstätten mit ihrem Fachzentrum „InsideAut“ neue Wege für Menschen aus dem Autismusspektrum eröffnen

Bild Arbeiten mit Struktur statt Überforderung

 14. Juli 2026 |  53° NORD | Textbeitrag

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Die Zahl der Menschen mit einer Autismusspektrumstörung (ASS), die in Werkstätten für behinderte Menschen arbeiten oder eine berufliche Qualifizierung absolvieren, nimmt seit Jahren zu. Für viele Einrichtungen ist das eine Herausforderung. Häufig scheitert berufliche Teilhabe nicht an den fachlichen Fähigkeiten der Beschäftigten, sondern an Arbeitsbedingungen, die wenig Orientierung bieten, soziale Überforderung auslösen oder sensorisch zu belastend sind.

Fachzentrum InsideAut

Die Schleswiger Werkstätten haben darauf mit dem Fachzentrum InsideAut reagiert. Das Angebot richtet sich an Menschen aus dem Autismusspektrum und verfolgt einen konsequent personenzentrierten Ansatz. Ziel ist es, Arbeitsplätze, Qualifizierung und Begleitung so zu gestalten, dass individuelle Stärken zur Geltung kommen und Belastungen reduziert werden.

Die Arbeitsumgebung an den Menschen anpassen

Viele Menschen mit ASS verfügen über besondere Fähigkeiten: Sie arbeiten häufig sehr sorgfältig, erkennen Muster und Fehler schnell, halten Regeln zuverlässig ein und können sich intensiv auf Aufgaben konzentrieren. Gleichzeitig können Lärm, unklare Arbeitsaufträge oder unerwartete Veränderungen erheblichen Stress verursachen.

InsideAut setzt deshalb auf klar strukturierte Tagesabläufe, visuelle Orientierungshilfen, eindeutige Arbeitsanweisungen und möglichst reizarme Arbeitsplätze. Grundlage ist unter anderem der TEACCH®-Ansatz mit seiner konsequenten Strukturierung von Arbeitsabläufen und Lernprozessen. Rückzugsmöglichkeiten, Unterstützte Kommunikation sowie therapeutische Angebote ergänzen das Konzept.

Bemerkenswert ist, dass sich die Schleswiger Werkstätten nicht auf eine spezialisierte Arbeitsgruppe beschränken. Beschäftigte aus dem Autismusspektrum arbeiten, begleitet durch eine Autismus-Fachberatung, auch in anderen Werkstattbereichen. So verbindet das Konzept Spezialisierung und Inklusion gleichermaßen.

Fachwissen für die gesamte Werkstatt

Die Autismus-Fachberatung ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Sie unterstützt Beschäftigte ebenso wie Gruppenleitungen und andere Fachkräfte bei Fragen der Kommunikation, Arbeitsplatzgestaltung oder Krisenbewältigung. Autismus wird damit nicht als individuelles Problem verstanden, sondern als Aufgabe der gesamten Organisation.

Auch für den Berufsbildungsbereich ergeben sich daraus wichtige Impulse. Viele Menschen mit ASS profitieren von kleinen Lernschritten, festen Bezugspersonen und visualisierten Arbeitsabläufen. Ebenso wichtig ist eine Kompetenzfeststellung, die Interessen und Stärken stärker berücksichtigt als Defizite. Daraus lassen sich individuelle Bildungswege entwickeln, die den tatsächlichen Fähigkeiten der Teilnehmenden entsprechen.

Ein Modell mit Signalwirkung

Nicht jede Werkstatt wird ein eigenes Fachzentrum aufbauen können. Viele Elemente des Konzepts sind jedoch ohne großen Aufwand übertragbar: Strukturierte Arbeitsplätze, klare Kommunikation, visuelle Orientierungshilfen, reizreduzierte Arbeitsbereiche und autismusspezifisch qualifizierte Fachkräfte.

InsideAut zeigt beispielhaft, wie Personenzentrierung für diesen Personenkreis praktisch umgesetzt werden kann. Das Projekt macht deutlich, dass erfolgreiche berufliche Teilhabe oft weniger von besonderen Förderprogrammen abhängt als von der Bereitschaft, Arbeitsbedingungen konsequent an individuelle Bedürfnisse anzupassen. Gerade angesichts der wachsenden Zahl von Menschen aus dem Autismusspektrum in Werkstätten liefert das Schleswiger Modell wertvolle Anregungen für die Weiterentwicklung beruflicher Bildung und Arbeit.

Praxis vertiefen

Wer das Konzept näher kennenlernen möchte, hat dazu am 17. September 2026 Gelegenheit. In der Online-Reihe „Einblicke in die Praxis“ von 53° NORD stellen Florian Nickel, Leiter des Autismusbereichs InsideAut, und Navina Borchert, Autismusfachkraft der Schleswiger Werkstätten, ihre Arbeit vor. Themen sind unter anderem Arbeitsplatzgestaltung nach dem TEACCH®-Ansatz, Unterstützte Kommunikation, reizreduzierte Arbeitsumgebungen sowie Beispiele für die Integration von Menschen aus dem Autismusspektrum in unterschiedliche Werkstattbereiche. Die dreistündige Zoom-Veranstaltung richtet sich an Leitungs- und Fachkräfte aus Werkstätten sowie andere interessierte Einrichtungen und bietet neben der Vorstellung des Konzepts viel Raum für Fragen und Erfahrungsaustausch.

Werkstattarbeit für Menschen mit Autismus


Praxisideen für ein eigenes Konzept

Details und Buchung

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