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Kann der Berufs-Bildungs-Bereich in den Werkstätten bleiben?

Ein Kommentar von Michael Weber und Jochen Walter in Leichter Sprache

Bild Kann der Berufs-Bildungs-Bereich in den Werkstätten bleiben?

 15. Januar 2024

  Berufliche Bildung, Weiterentwicklung der beruflichen Teilhabe, Kommentar

Michael Weber ist Chef vom Heilpädagogischen Zentrum Krefeld.
Jochen Walter ist im Vorstand von der Stiftung Pfennigparade.
Beide Männer sind auch im Vorstand von der
Bundes-Arbeits-Gemeinschaft WfbM.
In diesem Text schreiben die beiden Männer ihre Meinung
zu dem Thema Berufs-Bildungs-Bereich in der Werkstatt.

Der Anfang war ein neues Entgelt-System für Werkstätten

Entgelt ist ein anderes Wort für Gehalt oder Lohn.
Seit vielen Jahren schon soll sich das Entgelt-System
für Werkstätten für behinderte Menschen ändern.
Seit dem Jahr 2019 sucht das Bundes-Ministerium für Arbeit
und Soziales nach einer Lösung:
Der Lohn für Mitarbeiter in Werkstätten soll fair sein.
Und der Lohn soll auch noch in der Zukunft gut sein.
Es gab viele Ideen und Pläne.
Diese Pläne haben nun zu Gesprächen darüber geführt:
Müssen wir die Werkstätten komplett neu machen?

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Geld geht von Hand zu Hand
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Buch mit Gesetzesparagraphen

Gesetzes-Änderung im Sozial-Recht

Ein wichtiger Punkt war eine Gesetzes-Änderung im Sozial-Recht.
Durch die Gesetzes-Änderung soll es mehr Ausbildungs-Geld geben.
Dadurch muss dann aber auch der Grundbetrag
für Mitarbeiter im Arbeits-Bereich in den Werkstätten höher werden.
Das ist für viele Werkstätten ein großes finanzielles Problem.
Sie haben nicht genug Geld, um die höheren Gehälter zu zahlen.

Wissenschaftlich geprüft mit einer Studie

Das Bundes-Ministerium hat eine wissenschaftliche Studie gemacht.
Die Studie hat untersucht:
Was muss sich für ein neues Entgelt-System
in den Werkstätten ändern?
Dabei hat die Studie auch geprüft:
Wie können die Menschen besser eine Arbeit
auf dem ersten Arbeits-Markt bekommen?
Die Studie ist jetzt fertig.
Das Bundes-Ministerium hat festgelegt:
In diesen Bereichen sollen die Veränderungen
in den Werkstätten passieren.

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Eine Liste wird positiv abgehakt
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Viele verschiedene Menschen arbeiten in einer WfbM

Welche Menschen brauchen eine Arbeit in der WfbM?

Durch die Studie wird jetzt weniger über die Löhne
und die Höhe der Löhne in den Werkstätten gesprochen.
Jetzt redet man mehr darüber:
Wie soll man entscheiden:
Welche Menschen brauchen wirklich eine Arbeit in einer Werkstatt?
Und welche Menschen können auf dem ersten Arbeits-Markt arbeiten?

Berufs-Bildungs-Bereich weg von der Werkstatt

Eine Idee ist:
Der Berufs-Bildungs-Bereich soll nicht mehr
zu den Werkstätten gehören.
Auch verschiedene andere Einrichtungen
sollen den Berufs-Bildungs-Bereich anbieten können.
Dafür müssen sich die Einrichtungen bewerben.
Dann entscheidet das Bundes-Ministerium:
Welche Einrichtungen dürfen den Berufs-Bildungs-Bereich anbieten?
Das Fachwort dafür ist: Vergabe-Verfahren.

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Ein Anleiter erklärt ein Gerät
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Münzen und Geldscheine

Warum soll der Berufs-Bildungs-Bereich weg von der Werkstatt?

Das Bundes-Ministerium möchte erreichen:
Die Menschen wechseln vom Berufs-Bildungs-Bereich
nicht alle automatisch in eine Werkstatt.
Denn das Bundes-Ministerium denkt:
Für gute Löhne müssen wir den Werkstätten mehr Geld geben.
Also ist es am besten:
Es arbeiten viel weniger Menschen in einer Werkstatt als vorher.
Dann müssen wir nicht so viel Geld geben.

Deutschland hat aktuell nicht genug Geld.
Daher ist so ein Denken vom Bundes-Ministerium
auch nicht verwunderlich.
Sie wissen einfach nicht:
Woher soll das Geld für ein neues Entgelt-System
in den Werkstätten kommen?

Vergabe-Verfahren für Berufs-Bildungs-Bereich: gut oder schlecht?

Das Bundes-Ministerium möchte den Berufs-Bildungs-Bereich
mit einem Vergabe-Verfahren öffentlich ausschreiben.
Das bedeutet:
Viele verschiedene Einrichtungen können sich darauf bewerben
und sagen:
Wir möchten den Berufs-Bildungs-Bereich anbieten.
Das Bundes-Ministerium entscheidet dann über die Bewerbungen.

Aber damit ist der Berufs-Bildungs-Bereich nicht automatisch
weg von den Werkstätten.
Denn die Werkstätten dürfen sich ja genauso bewerben.

Eine wichtige Frage ist:
Ist so ein Vergabe-Verfahren wirklich der beste Weg?
Kann man so wirklich gut entscheiden:
Wer soll den Berufs-Bildungs-Bereich anbieten?

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Eine Frau stellt eine Frage
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Ein Mann gibt eine Antwort

Eine andere Möglichkeit: Wettbewerb

Durch das Bundes-Teilhabe-Gesetz können auch jetzt schon
andere Einrichtungen den Berufs-Bildungs-Bereich anbieten.
Das bedeutet:
Menschen mit Behinderung können selbst entscheiden:
Möchte ich den Berufs-Bildungs-Bereich in einer Werkstatt machen?
Oder möchte ich das woanders machen?
Die Einrichtungen und Werkstätten sind dann im Wettbewerb miteinander.
Das kann gut für die Qualität vom Berufs-Bildungs-Bereich sein.
Denn alle wollen dann die beste Einrichtung sein
und so die meisten Teilnehmer bekommen.


Diese Möglichkeit ist auch für die Bundes-Agentur für Arbeit besser.
Die Bundes-Agentur ist der Auftraggeber
für den Berufs-Bildungs-Bereich und bezahlt die Kosten.
Und bei einem Vergabe-Verfahren für die Einrichtungen
muss die Bundes-Agentur für Arbeit sagen:
Sie bekommen mindestens diese Zahl an Teilnehmern.
Aber das kann die Bundes-Agentur für Arbeit vorher gar nicht planen.
Beim Wettbewerbs-Verfahren müssen die Einrichtungen selbst schauen:
Wie können wir so gut sein,
dass sich die Teilnehmer für uns entscheiden?

Leidet beim Vergabe-Verfahren die Qualität?

Viele Leute denken:
Beim Vergabe-Verfahren wird die Arbeit
im Berufs-Bildungs-Bereich schlechter sein.
Denn das Bundes-Ministerium entscheidet sich vielleicht nicht
für die beste Einrichtung.
Sondern das Bundes-Ministerium entscheidet sich
für die billigste Einrichtung.
Aber das wird wahrscheinlich nicht passieren.
Denn die Einrichtungen müssen auch im Vergabe-Verfahren
ganz bestimmte Bedingungen erfüllen.
Diese Bedingungen sollen für eine gute Qualität sorgen.
Viel wichtiger ist:
Beim Vergabe-Verfahren können die Menschen mit Behinderung
nicht mehr frei entscheiden:
Wo möchte ich den Berufs-Bildungs-Bereich machen?

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Daumen runter

Unsere Meinung

Das Vergabe-Verfahren verhindert:
Menschen mit Behinderung können frei entscheiden.
Der Wettbewerb ist eine bessere Lösung.
Dafür ist aber auch wichtig:
Die Bundes-Agentur für Arbeit muss sich darum kümmern:
Es gibt mehrere Anbieter und verschiedene Angebote
für den Berufs-Bildungs-Bereich.
Nur dann können Menschen mit Behinderung
tatsächlich frei und selbst entscheiden.

In redaktioneller Zusammenarbeit mit Werkstatträte Deutschland e.V.
Gefördert durch die Aktion Mensch.

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