Das System der EGH knirscht
Hinter den Kulissen des Innovationskongresses - von der Idee zum Konzept

Der Hamburger Innovationskongress findet alle zwei Jahre statt. Nach dem Auftakt 2022 und dem zweiten Kongress 2024 war klar: Dieses Format hat Bestand. Es trifft einen Nerv. Es bringt Menschen zusammen, die sonst selten an einem Tisch sitzen und behandelt Themen, die vielen unter den Nägeln brennen. War es beim ersten KOngress gemeinsam mit der BAG UB das Thema "Wege in den Arbeitsmarkt" und zwei Jahre später die Frage "Wie Werkstatt weiterentwickeln, praktikable Wege gemeinsam finden", so stellte sich wieder die Frage: Was bewegt uns in 2026?
Die Planung des dritten Kongresses fiel in eine Zeit, in der spürbar wurde, dass das System seit Einführung des BTHG knirscht: Abläufe, Prozesse und Ressourcen passen auf Seiten der Leistungsträger wie der Leistungserbringer nicht mehr zusammen. Übergänge in den allgemeinen Arbeitsmarkt bleiben selten, Wahlmöglichkeiten begrenzt, ein wachsender „Flickenteppich" sorgt dafür, dass Chancen stark vom Wohnort abhängen. Den entscheidenden Impuls lieferten die gemeinsamen Forderungen der fünf Fachverbände zur Weiterentwicklung des BTHG. Damit war das Thema klar. Es sollte um die Zukunft der beruflichen Teilhabe gehen, um die Rückbesinnung auf die wesentlichen Ziele und Aufgaben, um eine gemeinsame Orientierung aller beteiligten Akteure und um daraus erwachsende Veränderungen und Innovationen.
Das Ringen um Ziel und Form
Bevor allerdings eine einzige Agenda-Zeile feststand, haben wir lange diskutiert: Über Zielsetzung, Format und die Frage, was am Ende des Kongresses eigentlich stehen soll. Es sollte kein weiteres Fachsymposium mit Vorträgen und applaudiertem Abschlussstatement werden. Wir wollten, dass die Teilnehmenden nicht nur mit Informationen nach Hause fahren, sondern mit konkreten Vorhaben, die sie in ihrer eigenen Praxis umsetzen können. Das erfordert Methoden, die Hierarchien aufweichen und gemeinsames Denken ermöglichen, und einen Moderator, dem alle vertrauen. Beides haben wir.
Die Herausforderung: Wer sitzt wirklich am Tisch?
Institutionelle Akteure zu gewinnen war noch das Greifbarere. Unsere traditionelle Zielgruppe sind Werkstattvertreter. Auf Leistungsträgerseite werden die Geschäftsführung der BAGüS, Kostenträger aus Baden-Württemberg und Hamburg sowie Vertreterinnen und Vertreter der Bundesagentur für Arbeit werden vertreten sein. Schwieriger – und uns wichtiger – war die Frage: Wie binden wir Peerexpertinnen und Interessenvertretungen nicht als symbolische Geste ein, sondern als tragende Stimmen? Das erforderte intensive Diskussionen, Überzeugungsarbeit und eine sorgfältig durchdachte Einladungsstrategie.
Als Partner haben wir wieder den Bundesverband evangelische Behindertenhilfe (BeB) gewonnen, einen langjährigen Kooperationspartner. Wer die Positionspapiere des BeB kennt, weiß: Hier wird nicht nur über Teilhabe gesprochen, hier wird sie fachlich durchdrungen und ernsthaft eingefordert.
Was Teilnehmende mitnehmen
Nach langen Überlegungen und Diskussionen haben wir ein Programm aufgebaut, das nicht bei der Diagnose stehen bleibt. Praxisbeispiele aus unterschiedlichen Innovationsfeldern – Übergangsmanagement, alternative Finanzierungsmodelle, Entbürokratisierung, personenzentrierte Bedarfsermittlung, stärkere Beschäftigtenbeteiligung – zeigen, was anderswo bereits funktioniert. In moderierten Kleingruppen arbeiten die Teilnehmenden dann selbst: an Systemherausforderungen, Transformationsvisionen und schließlich an konkreten neuen Nutzen- und Geschäftsmodellen für alle drei Akteursgruppen. Am Ende stehen ausgearbeitete Projektvorhaben mit klarer Planung für die Weiterarbeit.
Wer als Leitungskraft einer WfbM kommt, verlässt den Kongress mit übertragbaren Impulsen für seine Struktur und seine Angebote. Wer als Beschäftigtenvertretung kommt, hat zwei Tage lang die Kernfragen der Werkstattarbeit mitdiskutiert und die eigenen Handlungsmöglichkeiten ausgelotet. Und wer als Leistungsträger kommt, bekommt direkten Einblick in die Realität der Einrichtungen und Impulse für eine verbesserte Zusammenarbeit.
Was uns antreibt
Kongresse, die etwas bewegen, entstehen nicht allein durch komplexe Vorbereitungsprozesse, sondern weil die Planer die Komplexität des Themas ernst nehmen. Wir haben beim dritten Hamburger Innovationskongress länger und intensiver gerungen als je zuvor: Um das richtige Thema, das richtige Format, die richtigen Stimmen. Und wir sind überzeugt, dass wir durch diese Veranstaltung etwas bewegen können.
Moderiert wird der Kongress wieder von Leo Baumfeld aus Wien, dessen partizipative Arbeitsweise Raum lässt für eigene Schwerpunkte und echten, produktiven Austausch.
Kostenträger, Einrichtungen, Beschäftigte: Zwei Tage gemeinsam arbeiten, denken, entwickeln. Mit konkreten Vorhaben, die Sie direkt in Ihren Alltag mitnehmen.
Wir freuen darauf, Sie am 22. und 23. Juni 2026 im Hamburger Wälderhaus begrüßen zu können.
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