Artikel

Die LAG WfbM Brandenburg baut professionelle Strukturen auf

Ein Gespräch mit dem Referenten des LAG-Vorstands Michael Reinhold

Bild Die LAG WfbM Brandenburg baut professionelle Strukturen auf
Fotografin: Frau Windsheimer-Kolla (BAG WfbM)

 28. April 2026 |  Dieter Basener | Textbeitrag

  Werkstätten

Brandenburg führte bis vor zwei Jahren, wie Michael Reinhold berichtet, als eines der letzten Bundesländer seine Landesarbeitsgemeinschaft WfbM noch vollständig ehrenamtlich. Seit September 2024 ist er der erste hauptamtliche Referent der Geschäftsstelle in Potsdam. Er bringt eine breite Erfahrung mit: Seit 25 Jahren ist er in Werkstätten für behinderte Menschen aktiv, in verschiedenen Positionen in Sachsen und Thüringen. Den Aufbau der Geschäftsstelle bezeichnet er inzwischen als beendet: „Die Start- und Aufbauphase lief ca. 1 ½ Jahre, jetzt sind wir in der aktiven Arbeitsphase angekommen."
Die LAG WfbM Brandenburg vertritt 28 Werkstätten mit rund 11.000 Beschäftigten, inklusive Förder- und Berufsbildungsbereich. Eine Öffnung der LAG für andere Leistungsanbieter wurde mit der letzten Satzungsänderung ermöglicht. Eine Umbenennung wie in anderen Bundesländern, etwa in „LAG Arbeit - Bildung - Teilhabe" wurde diskutiert, aber nicht beschlossen.

Aktuelle Themen: Fachkonzept, Teilzeit, ältere Beschäftigte

Die inhaltliche Arbeit kreist derzeit um drei große Felder. Erstens die Umsetzung des neuen Fachkonzepts der Bundesagentur für Arbeit mit dem zugehörigen Qualitäts- und Leistungshandbuch (QLHB). Eine eigens gegründete Arbeitsgruppe erarbeitet Formulierungsvorschläge für das QLHB, die möglichst alle Werkstätten übernehmen sollen. Bei diesem Thema arbeitet die LAG Brandenburg eng mit andern LAGs zusammen und sie ist bestrebt, die Kommunikation mit der Regionaldirektion der Arbeitsagentur Berlin-Brandenburg weiter auszubauen. „Man kann schneller Informationen austauschen und Sachverhalte ansprechen.“

Das zweite aktuelle Thema ist die zunehmende Anzahl älterer Beschäftigten in den Werkstätten: „Was machen wir, wenn sie weiterarbeiten wollen und der Kostenträger lehnt ab?". Dazu gibt es in Kürze einen Fachtag, an dem Kolleginnen und Kollegen aus Brandenburg, Berlin und Sachsen teilnehmen.

Ein drittes Thema ist die Teilzeitarbeit von Beschäftigten, bei dem Kostendruck von Kostenträgerseite droht: „Es ist ja unterm Strich nicht unbedingt billiger, wenn jemand Teilzeit arbeitet. Da sind wir mit dem Kostenträger im Dissens und machen unsere Position deutlich."

Vernetzung, Fachtage und digitale Präsenz

Als Serviceorganisation für seine Mitglieder setzt die LAG Brandenburg auf Fachtage und Informationen zu konkreten Themen, etwa zur Arbeitsergebnisrechnung. Regelmäßige Formate wie Arbeitsgruppen zur beruflichen Bildung gibt es bereits. Neue Treffen spezieller Professionen fügt er dagegen nur behutsam hinzu: „Da schöpfe ich aus meiner Erfahrung. Viele Mitarbeiter sind schon über die einzelnen Verbände miteinander vernetzt und treffen sich regelmäßig in deren AGs, da muss man nicht nochmal eine Struktur draufsetzen."

Dennoch hat Michael Reinhold den Anspruch, mit der Geschäftsstelle der LAG ein zentraler Ansprechpartner zu sein: „Wir wollen die Werkstätten aktiv unterstützen.“ Das gelingt zunehmend. „Ich stelle fest, dass ich immer häufiger kontaktiert werde, auch von Personen mit Beeinträchtigungen, von Firmen, aber auch von politischen Institutionen.“

Inklusion auf dem Werkstattkongress YOU CAN

Auf dem Werkstattkongress YOU CAN in Leipzig war die LAG Brandenburg zusammen mit Berlin und Sachsen mit einem Gemeinschaftsstand vertreten. Während Sachsen das Thema Bildung und Berlin das Thema Vielfalt besetzte, wählte Brandenburg das Thema Inklusion. Michael Reinhold: „Wir haben versucht, Inklusion erlebbar zu machen. Eine Theatergruppe aus Werkstattbeschäftigten bewegte sich durch die Halle und zog Besucher an unseren Stand.“ Der Stand wollte das kooperative Werkstattklima vermitteln, das Reinhold so beschreibt: „In unseren Werkstätten wird Inklusion gelebt. Beeinträchtige und nicht beeinträchtigte Menschen begegnen sich und arbeiten zusammen.“

Kooperation mit Werkstatträten und Frauenbeauftragten

Neben der LAG WfbM existieren in Brandenburg auch eine LAG der Werkstatträte sowie eine LAG der Frauenbeauftragten. Die Zusammenarbeit beschreibt Reinhold als noch ausbaufähig: „Man trifft sich, man redet miteinander, aber dass bereits viel gemeinsam läuft, kann man noch nicht behaupten." Der Vorstand der LAG WfbM Brandenburg e. V. habe jedoch klar formuliert, die Kooperation künftig weiter auszubauen.

Selbstverständnis: Lobbyvertretung auf Augenhöhe

Auf die Frage nach dem inneren Selbstverständnis der LAG findet Reinhold ein klares Bild: „Wir sind für unsere Werkstätten die Lobbyvertretung auf politischer Ebene.“ Das Wort Lobbyvertretung sei zwar „ein wenig belastet", treffe aber den Kern. Die politische Präsenz auszubauen, in die richtigen Gremien zu kommen, als Ansprechpartnerinnen und - Partner in Potsdam und Brandenburg wahrgenommen zu werden, das sei „ein langer Weg, ein langer Prozess", an dem man aber konsequent arbeite. Ergänzt würde diese Arbeit durch das sogenannte Nachbarschaftstreffen der östlichen und angrenzenden Bundesländer, das einmal jährlich stattfindet und einen informellen, aber wirkungsvollen Rahmen für den überregionalen Austausch biete: „Da bekommt man die Strömung mit und weiß, was bundesweit läuft oder was man bundesweit platzieren kann."

Zurück zur Artikelübersicht

Bleiben Sie informiert

Abonnieren Sie jetzt unseren Newsletter und bleiben Sie auf dem neusten Stand

Logo Evangelische Bank eGClaim Evangelische Bank eG

53° NORD wird gefördert durch Evangelische Bank

Die Evangelische Bank unterstützt die Inklusion von Menschen mit Behinderung, weil Diversität eine Bereicherung für unsere Gesellschaft und Ausdruck unserer christlich, nachhaltigen Grundeinstellung ist.

Erfahren Sie mehr