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Wie lässt sich die Qualität der Werkstatt verbessern?

Stimmen aus der Praxis

Bild Wie lässt sich die Qualität der Werkstatt verbessern?

 17. Juni 2026 |  Dieter Basener | Textbeitrag

  Weiterentwicklung der beruflichen Teilhabe, Kostenfreie Artikel

Auf dem Fachkongress You Can stellte 53° NORD den Fachkräften, Beschäftigten und anderen Interessierten in Leipzig die Frage: Was kann man tun, um die Qualität der WfbM zu verbessern? Die Antworten waren vielfältig und konkret. Das Bild, das sich ergab, geht weit über technische Optimierungen hinaus.

Partizipation und Mitbestimmung

Ein zentrales Thema zieht sich wie ein roter Faden durch fast alle Rückmeldungen: Partizipation und Mitbestimmung. Werkstatträte und Frauenbeauftragte sollen von Anfang an eingebunden, freigestellt und mit echtem Kündigungsschutz ausgestattet werden. Beschäftigte sollen nicht nur angehört, sondern aktiv an betrieblichen Entscheidungen beteiligt werden – ihre Expertise soll genutzt werden, nicht übergangen. Der Wunsch nach Augenhöhe findet sich in Dutzenden Formulierungen wieder: „Auf Augenhöhe arbeiten", „Kommunikation auf Augenhöhe", „Vorstellungen der Leute anhören". Es geht nicht um symbolische Beteiligung, sondern um strukturell verankerte Mitsprache, bis hin zur Forderung, Beschäftigte zu QPS-Prüfern auszubilden und in Zukunftswerkstätten alle Ebenen der Organisation einzubeziehen. Selbsthilfe und Selbstvertretung sollen aktiv gefördert werden, etwa durch die Unterstützung von Mitgliedschaften bei Selbstvertretungsorganisationen wie People First.

Haltung im Alltag

Eng damit verbunden ist der Ruf nach einer solidarischen Haltung im Alltag. Respekt, Empathie, Wertschätzung und das Abbauen von Machtgefällen zwischen Gruppenleitung und Beschäftigten werden explizit benannt. Aktives Vorgehen gegen Mobbing, auf allen Seiten. Diskriminierung, auch unter Beschäftigten, soll entgegengewirkt werden. Personenzentrierung wird nicht als Methode, sondern als gelebte Haltung gefordert: „Individuell jeden Teilnehmenden dort abholen, wo er oder sie steht." Das klingt nach bekannten Formulierungen, ist hier aber als dringende Haltungsänderung gemeint. Ergänzt wird dies durch den Wunsch nach kritischer und ehrlicher Selbstreflexion in den Organisationen sowie nach regelmäßigen Checks zur Zufriedenheit aller Beteiligten.

Qualifizierung und berufliche Entwicklung

Ein dritter Schwerpunkt betrifft Qualifizierung und berufliche Entwicklung. Fachkräfte sollen besser geschult werde, auch und gerade darin, was die eigentliche Aufgabe einer WfbM ist. Gleichzeitig sollen Beschäftigte stärker gefördert werden: Durch standardisierte Zertifikatslehrgänge, durch das Angebot kreative Berufsfelder (Kunst, Musik, Fotografie, Schauspiel), digitale Lernplattformen und eine engere Zusammenarbeit mit Betrieben. Der Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wird mehrfach als verbesserungswürdig bezeichnet - auch als Auftrag an die Politik. Regelmäßige Supervision für Mitarbeitende und praxisnahe Fortbildungsinhalte runden diesen Cluster ab.

Strukturell werden bessere Rahmenbedingungen eingefordert: mehr Personal, mehr Budget, bessere Räumlichkeiten, weniger Bürokratie. Ergänzt wird dies durch Forderungen nach Gewaltprävention, Gesundheitstagen, Barrierefreiheit und einem verbesserten Angebot für Menschen mit Autismus oder psychischen Beeinträchtigungen. Auch der Zugang zum ÖPNV und mehr Unterstützte Kommunikation in der Werkstatt werden genannt.

Öffnung und Vernetzung

Schließlich gibt es eine Gruppe von Vorschlägen, die auf Öffnung und Vernetzung abzielen: Kooperation mit anderen Anbietern, Mitgliedschaft bei Netzwerken wie UN-Konventionell, Austausch über Best-Practice-Ansätze, Design-Thinking-Methoden, Nutzung von KI und innovativer Technik. Der Förderbereich soll sich in Richtung Inklusion öffnen.

Fazit

Die Werkstätten der Zukunft werden nicht durch Verwaltungsoptimierung besser, sondern durch Kulturwandel. Partizipation, Haltung und Qualifizierung sind keine Extras, sie sind der Kern. Die WfbM - so eine Aussage - solle proaktiv Veränderungen anstoßen, bevor sie durch Druck von außen dazu gezwungen wird. Gespräche zwischen Politik und Werkstätten werden ebenso gefordert wie eine stärkere Netzwerkarbeit und das Bündeln von Best-Practice-Ideen.

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