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Saarland: WfbM-Arbeit auch nach der Berentung wieder möglich

Bericht aus dem Landesverband Arbeit - Bildung – Teilhabe Saarland e.V.

Bild Saarland: WfbM-Arbeit auch nach der Berentung wieder möglich
Michael Schneider

 23. Februar 2026 | Textbeitrag

  Weiterentwicklung der beruflichen Teilhabe, Werkstätten, Kostenfreie Artikel

In unseren Nachrichten aus der beruflichen Teilhabe berichten wir regelmäßig über aktuelle Themen und Aktivitäten der Landesarbeitsgemeinschaften WfbM. Mit Michael Schneider, dem Geschäftsführer des Landesverbands Arbeit-Bildung-Teilhabe Saarland e.V. (LV A-B-T), sprachen wir über die aktuellen Themen und innovativen Projekte in seinem Bundesland. Seit Juni 2024 leitet Michael Schneider den LV A-B-T Saarland e.V. Er hat Wirtschaft und Recht studiert und arbeitete zuvor zehn Jahre im Gesundheitswesen. „Ich konnte auf die Initiativen meines Vorgängers aufbauen“, sagt Schneider. „Gleichzeitig ist es mir wichtig, eigene praxisnahe und zukunftsorientierte Impulse zu setzen.“ Gemeinsam mit den Mitgliedern entwickelt er Angebote, die Arbeit, Bildung und Teilhabe verbinden. „Unser Ziel ist es, Inklusion auf allen Ebenen fördern“, betont Schneider.

Der Landesverband A-B-T Saarland

Der Landesverband A-B-T vertritt die Interessen von zehn saarländischen Werkstätten mit knapp 4.000 Beschäftigten. Er hat sich mit der Umbenennung der früheren „LAG WfbM Saarland“ für Inklusionsbetriebe- und -abteilungen sowie Andere Leistungsanbieter geöffnet. Auch rechtlich selbstständige Tagesförderstätten können Mitglied werden.

Bundesweit einzigartig: Arbeit nach der Berentung

Eine neu abgeschlossene Vereinbarung mit dem Sozialministerium ermöglicht es seit dem 1. Januar 2026 saarländischen Werkstattbeschäftigten, nach ihrer Berentung weiterhin in der Werkstatt tätig zu sein. Sie können in Voll- oder Teilzeit arbeiten, das Minimum beträgt 15 Wochenstunden. Zu Beginn nehmen ca. 20 Personen diese Möglichkeit wahr. „Der Bedarf wird sich steigern", erläutert Michael Schneider. „Durch die Babyboomer-Generation steigt die Zahl der Übergänge in die Rente. Viele Werkstattbeschäftigte wollen nach dem Renteneintritt in der WfbM tätig bleiben, um ihre gewachsenen sozialen Beziehungen aufrechtzuerhalten." Bundesweit ist dies das erste Angebot dieser Art, seit die vormals großzügigere Regelung vor einigen Jahren von den Leistungsträgern außer Kraft gesetzt wurde. „Die Initiative dazu ging vom Landesverband aus", so Schneider. „Das Ministerium zeigte sich aufgeschlossen und wir sind schnell zu einer Einigung gekommen."

Kurze Wege, partnerschaftliche Zusammenarbeit

Das einvernehmliche Verhältnis zum Sozialministerium hat auch dazu geführt, dass im Saarland, im Gegensatz zu anderen Bundesländern, die Erarbeitung und Umsetzung des Landesrahmenvertrages vergleichsweise reibungslos verlief. „Es ist sicher von Vorteil, dass wir es hier nur mit einem Leistungsträger zu tun haben und nicht mit einer kommunalisierten Trägerlandschaft", vermutet Michael Schneider. „Unser guter Draht zeigt sich auch bei der ‚Narrenschau‘, dem traditionellen Event der saarländischen Karnevalsverbänden. Auf Initiative des Sozialministers sind zur Generalprobe 300 Werkstattbeschäftigte eingeladen. Da sitzt der Minister mittendrin und feiert mit ihnen."

Gewaltprävention

Aktuell startet der Landesverband eine Schulungsreihe zur Gewaltprävention. Ziel ist es, Werkstattbeschäftigte zu Konfliktberatern auszubilden. Sie sollen vor Ort Gewalt verhindern und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Die Schulung dauert zehn Monate und umfasst 170 Unterrichtseinheiten. Parallel erstellen Werkstatträte und Frauenbeauftragte nach Art des Qualitätsmanagements eine Checkliste für Gewaltprävention. Werkstätten sollen damit geprüft und bei Erfüllung aller relevanten Punkte ausgezeichnet werden.

Förderung der Inklusionsunternehmen wird erhöht

Im Saarland liegt der „Besondere Aufwand“ für Inklusionsunternehmen pro behinderten Beschäftigten derzeit bei 250 Euro im Monat. Dieser Betrag wird nun zeitnah erhöht. Die dazugehörige Richtlinie befindet sich in finaler Abstimmung. Der Landesverband führt dazu Gespräche mit dem Ministerium.

Ausbau der betrieblichen Integration und Hilfe bei der Umsetzung des Fachkonzepts BBB

Im Gespräch mit dem Ministerium soll auch der Personalschlüssel für Fachkräfte zur betrieblichen Integration erhöht werden. „Unsere Vermittlungsquote ist hoch und das Personal für die Nachbetreuung reicht nicht aus", erklärt Michael Schneider. „Wir haben positive Signale bekommen, dass der Stellenpool ausgebaut werden kann." Der Landesverband unterstützt zudem die Werkstätten bei der Umsetzung des anspruchsvollen neuen Fachkonzepts der Agentur für Arbeit und koordiniert über eine Arbeitsgruppe gemeinsame Lösungen.

Landesweite Kurse zur Vorbereitung auf den Arbeitsmarkt

Im Saarland finden gemeinsam mit der IHK vorbereitende Kurse für den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt statt. Aktuell gibt es drei Kurse: Kaufmännische Assistenz im Handel, in Telefonzentralen/Empfang sowie im Bereich Lager und Logistik. Die Kurse enden mit IHK-Zertifikaten. Die Vermittlungsquote der Absolventen liegt bei 30-40 Prozent. Ein Kurs „Alltagshelfer in Kita, Schule und Pflegeheim“ ist in Planung. „Wir wollen sicherstellen, dass es eine Anschlussperspektive hat gibt die Absolventen tatsächlich in Kindertagesstätten, Schulen oder Seniorenheimen arbeiten können", betont Michael Schneider.

Internationale Kooperationen: Der Straßburger Kreis

Das Saarland liegt im Länderviereck zwischen Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Belgien. Mit diesen Ländern hat sich schon vor Jahren ein Kooperationsgremium gebildet: Der Straßburger Kreis. „Das ist ein grenzüberschreitendes Netzwerk von Einrichtungen der Eingliederungshilfe", erläutert Michael Schneider. „Dort tauschen wir uns aus, schauen, wie andere Länder die Eingliederungshilfe organisieren und lernen voneinander." Das Netzwerk umfasst inzwischen auch Vertreter aus Österreich und Dänemark.

Beteiligung an der Aktion Schichtwechsel

Sehr engagiert sind die saarländischen Werkstätten in ihrer Beteiligung an der Aktion Schichtwechsel. Michael Schneider: „Wir gehören bundesweit zu den Ländern mit den höchsten Teilnehmerzahlen. Der Schichtwechsel hat schon zu vielen Praktikumsplätzen, ausgelagerten und sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen und auch Produktionsaufträgen geführt."

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