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Warum es WfbM so schwerfällt, sich zu verändern

Ein Gastkommentar von Michael Zobeley

Bild Warum es WfbM so schwerfällt, sich zu verändern
Michael Zobeley

 26. Januar 2026 |  Michael Zobeley | Textbeitrag

  Werkstätten, Kostenfreie Artikel, Gastbeitrag, Kommentar

Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) sind Orte der Verlässlichkeit. Sie bieten Struktur, Sicherheit und Zugehörigkeit – für Beschäftigte ebenso wie für
Mitarbeitende und Führungskräfte. Viele haben hier über Jahre mit Herzblut und Engagement ein funktionierendes System aufgebaut. Doch genau dieses
„Funktionieren“ stellt uns heute vor eine paradoxe Herausforderung: Wie verändert man etwas, das auf den ersten Blick gar nicht kaputt ist?

Die Forderungen nach Inklusion, Öffnung, mehr Teilhabe und flexiblen, erfolgreichen Übergängen auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sind allgegenwärtig – von der Politik, von Selbstvertretungsorganisationen, von engagierten Angehörigen. Auch der Aktionsplan des BMAS macht deutlich: Die WfbM sollen sich weiterentwickeln. Doch was heißt das konkret – und für wen?

In vielen Werkstätten stellt sich immer wieder die gleiche Frage: Was hat Vorrang? Die wirtschaftliche Produktion und damit die Verlässlichkeit für Kunden und Auftraggeber? Oder die Persönlichkeitsentwicklung, Bildung und berufliche Rehabilitation der Beschäftigten? Diese Frage ist keineswegs rein theoretisch. Sie wird im Alltag entschieden – jeden Tag, in jeder Halle, in jedem Büro. Und oft bleibt das ungute Gefühl, dass man irgendwie beiden Ansprüchen nicht ganz gerecht wird.

Führungskräfte und Mitarbeitende sitzen dabei oft zwischen den Stühlen. Auf der einen Seite die Beschäftigten, für die die Werkstatt mehr ist als ein Arbeitsplatz – nämlich ein Mittelpunkt, ein Lebensraum. Auf der Kundenseite die Ansprüche an Effizienz, Qualität, Termineinhaltung. Und dazwischen die eigenen Werte, die eigene Motivation – und manchmal auch die eigene Erschöpfung. Veränderung verlangt viel: Offenheit, Lernbereitschaft, manchmal auch das Eingeständnis, dass gute Lösungen von gestern heute nicht mehr reichen. Aber sie verlangt auch Klarheit: Welche Ziele verfolgen wir wirklich? Welche Erwartungen dürfen (und müssen) wir gegenüberstellen? Und wie schaffen wir eine Balance zwischen wirtschaftlichem Auftrag und sozialem Anspruch, ohne dass einer von beiden verloren geht?

Viele WfbM haben längst begonnen, sich diese Fragen zu stellen. Und das ist gut so. Denn Stillstand wäre das größere Risiko – nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Organisationen selbst. Die Herausforderungen der nächsten Jahre – demografischer Wandel, Digitalisierung, gesellschaftlicher Wertewandel – treffen auch die Werkstätten mit voller Wucht.

Veränderung braucht Mut, Orientierung und Inspiration. Es geht nicht darum, das Bestehende schlechtzureden – im Gegenteil. Es geht darum, gemeinsam Wege zu finden, wie das Gute erhalten werden und gleichzeitig zukunftsfähig weiterentwickelt werden kann.

Denn eines ist sicher: Veränderung ist nicht das Gegenteil von Stabilität. Sie ist die Voraussetzung dafür.

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